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Die
Historizität des Buches Mormon Elder Dallin H.
Oaks Jährliches Dinner
von F.A.R.M.S: Provo, Utah,
29. Oktober 1993 Einige die sich
selbst als gläubige Heilige der Letzten Tage
bezeichnen, vertreten die Ansicht, dass die Heiligen der Letzten Tage
„die Behauptung,
dass das Buch Mormon ein historischer Bericht der antiken Völker
Amerikas wäre,
aufgeben“ sollten.1 Sie
vertreten, dass es
machbar wäre, das Buch Mormon als bloße fromme Fiktion mit einigem
wertvollen
Inhalt zu lesen und zu verwenden. Diese Vertreter einer sogenannten
„höheren
Kritik“ werfen die Frage auf, ob das Buch Mormon, das unsere Propheten
als die
herausragendste heilige Schrift dieser Evangeliusmzeit bezeichnet
haben, in
Wahrheit eine historische Fabel oder einfach eine Erzählung wäre. Die Historizität,
die historische Authentizität des Buches Mormon ist
eine so grundlegende Angelegenheit, dass sie zuallererst auf Glauben an
den
Herrn Jesus Christus ruht, was in dieser Angelegenheit, wie in allen
anderen,
der erste Grundsatz ist. Jedoch gibt es zum Gegenstand der Historizität
des
Buches Mormon viele untergeordnete Themen, von denen jeder einzelne
Gegenstand
eines Buch sein könnte. Es ist nicht meine Absicht, irgend eines dieser
geringeren Themen zu kommentieren weder jene, von denen man sagt, sie
würden
das Buch Mormon bestätigen noch jene, von denen man sagt, dass sie es
widerlegen. Jene geringeren
Gegenstände sind der Aufmerksamkeit wert. In einer
früheren Rede an diese Gruppe hat Elder Neal A. Maxwell die Erklärung
von
Austin Farrer zitiert: Wenn Argumente
auch
keine Überzeugung schaffen, so zerstört ihr Mangel doch Glauben. Was
bewiesen
scheint, wird vielleicht nicht vertreten. Doch das, von dem niemand die
Fähigkeit zeigt, es zu verteidigen, wird rasch verlassen.
Vernunftgemäße
Argumente schaffen keinen Glauben, doch erhalten sie ein Klima, in dem
Glauben
gedeihen kann. (Austin Farrer über C.S. Lewis) In diesen
Bemerkungen trachte ich danach, vernunftgemäße Argumente zu
benutzen, doch werde ich mich nicht auf Beweise stützen. Ich werde mich
der
Frage der Historizität des Buches Mormon vom Standpunkt von Glauben und
Offenbarung nähern. Ich bin der Meinung, dass die Frage der
Historizität des
Buches Mormon im Grunde eine Differenz zwischen jenen ist, die sich
ausschließlich auf Wissenschaft stützen und jenen, die sich auf eine
Kombination von Wissenschaft, Glauben und Offenbarung stützen. Jene die
sich
ausschließlich auf Wissenschaft stützen, und Offenbarung ablehnen,
erfüllen
Nephis Prophezeiung, dass in den letzten Tagen Menschen „werden mit
ihrer
Gelehrsamkeit lehren und den Heiligen Geist leugnen, der zu reden
eingibt.“ (2.
Nephi 28:4). Jene die das ausüben, konzentrieren sich üblicherweise auf
eine
begrenzte Anzahl von Themen wie Geographie, oder „Pferde“ oder
Übermittlung
durch Engel oder Sprachmuster des 19. Jahrhunderts. Sie ignorieren oder
übergehen die unglaubliche Komplexität des Berichtes des Buches Mormon.
Jene,
die sich auf Wissenschaft, Glauben und Offenbarung stützen sind bereit,
das
ganze Themenspektrum zu betrachten, sowohl bezüglich Inhalt als auch
Wortwahl,
sowohl Offenbarung als auch Ausgrabung. Für einen
Augenblick möchte ich, als einer sprechend dessen Berufsfeld
die Rechtspflege ist, behaupten, dass dann, wenn man willens ist, die
Bedeutung
von Glauben und die Wirklichkeit eines Bereiches, der menschliches
Verstehen
übersteigt, anzuerkennen, der Fall zu Gunsten des Buches Mormon mit
starken
Argumenten zu verteidigen ist. Der Fall gegen die Historizität des
Buches
Mormon muss ein Nichtvorhandensein beweisen. Man beweist ein
Nichtvorhandensein
nicht durch das Hervorheben eines Punktes einer Streitpartei oder indem
man
untergeordnete Argumente vertritt. Für mich geht
diese offensichtliche Einsicht über vierzig Jahre zurück,
als ich die erste Klasse über das Buch Mormon an der BYU besuchte. Die
Klasse
trug, etwas herausfordernd, den Titel „Archäologie des Buches Mormon.“
Rückblickend denke ich, die Klasse sollte etwa einen Titel wie „Die
Sichtweise
eines Anthropologen auf einige für Leser des Buches Mormon interessante
Gegenstände.“
Dort wurde ich in den Gedanken eingeführt, dass das Buch Mormon nicht
die
Geschichte aller Menschen sei, die jemals auf den Kontinenten Nord- und
Südamerika in allen Erdzeitaltern gelebt haben. Bis zu der Zeit hatte
ich
angenommen, dass es das wäre. Wenn das die Behauptung des Buches Mormon
wäre,
dann würde jedes historische, archäologische oder linguistische
Beweisstück für
das Gegenteil schwer wiegen gegen das Buch Mormon und jene, die sich
ausschließlich auf Wissenschaft stützen hatten eine vielversprechende
Argumentationsposition. Wenn im Gegensatz
dazu das Buch Mormon nur behauptet, der Bericht
einiger weniger Leute zu sein, die einen Teil Amerikas während einiger
Jahrtausende der Vergangenheit bewohnten, dann ändert sich die
Beweislast
drastisch. Es ist nicht mehr eine Frage des alles oder nichts, es ist
die Frage
einige gegen nichts. In anderen Worten, unter den Umständen, die ich
beschreibe, müssen die Gegner der Historizität beweisen, dass das Buch
Mormon
keinerlei historischen Wert für irgendwelche Völker hat, die in einem
bestimmten Zeitrahmen in Amerika lebten. Eine offenkundig schwierige
Übung. Man
siegt nicht mit dieser Ansicht, wenn man beweist, dass eine bestimmte
Eskimokultur Wanderungen aus Asien darstellen. Die Gegner der
Historizität des
Buches Mormon müssen beweisen, dass die Menschen, deren religiöses
Leben es
berichtet, nirgendwo in Amerika lebten. Eine andere Art,
die Stärke der positiven Postion über Historizität des
Buches Mormon zu erklären, liegt darin, aufzuzeigen, dass wir, die wir
seine
Befürworter sind, dass wir mit einem unentschieden in dieser Frage
zufrieden
sind. Aufrichtige Untersucher werden schließen, dass es so viele
Indizien gibt,
dass das Buch Mormon ein antiker Text ist, dass sie die Frage nach
seiner
Authentizität nicht zuverlässig lösen können, trotz einiger
unbeantworteter
Fragen, die die negative Ansicht zu stützen scheinen. Unter diesen
Umständen
können sich die Befürworter des Buches Mormon bezüglich der Frage der
Historizität mit einem unentschieden zufrieden geben oder einer
Geschworenenbank mit Stimmengleichheit und die Sache auf sich beruhen
lassen,
bis die Kontroverse in einem andern Forum nochmals verhandelt werden
kann. Ja, es ist unsere
Haltung, dass weltliche Beweise die Authentizität des
Buches Mormon weder beweisen noch widerlegen können. Seine
Authentizität hängt,
wie es selbst aussagt, von einem Zeugnis des Heiligen Geistes ab.
Unsere Seite
wird sich mit einem unentschieden zufrieden geben, doch jene, die die
Historizität des Buches Mormon leugnen, können sich mit einem
unentschieden
nicht zufrieden geben. Sie müssen versuchen zu beweisen, das es nicht
historisch ist – oder sie scheinen die Notwendigkeit zu verspüren, das
zu tun –
und dabei sind sie erfolglos, da sogar die weltlichen Beweise, in ihrer
Ganzheit betrachtet, dafür zu komplex sind. Hugh Nibley bezog
sich auf einen verwandten Punkt, als er schrieb: Die erste Regel,
wenn man sich mit dem Buch Mormon oder einem anderen antiken Text
beschäftigt
lautet, niemals zu sehr zu vereinfachen.Trotz seines einfachen und
geradlinigen
Erzählstils ist seine Geschichte wie wenige andere vollgepackt mit
einem
erstaunlichen Detailreichtum der dem flüchtigen Leser völlig
entgeht.... Nur
Faulheit und Einbildung führen einen Studenten zur frühen Überzeugung,
er habe
die endgültigen Antworten, was das Buch Mormon enthält.2 In Klammern möchte
ich als Veranschaulichung dieses Punktes auf die
Sprach-Kultur- und Schreibangelegenheiten hinweisen, die zur
Unterstützung der
Authentizität des Buches Mormon in Orson Scott Cards überzeugendem
Aufsatz „Das
Buch Mormon – echtes Produkt oder Trick“ [The Book of Mormon – Artifact
or
Artifice] beschrieben sind.3 Ich bewundere jene
Wissenschaftler, für die Wissenschaft Glauben und
Offenbarung nicht ausschließt. Es ist Teil meines Glaubens und meiner
Erfahrung, dass der Schöpfer von uns erwartet, dass wir die Kräfte der
Vernunft, die er in uns gelegt hat, benutzen und dass er auch von uns
erwartet,
dass wir unsere göttliche Gabe benutzen ebenso dass wir unsere
Fähigkeit
pflegen, durch göttliche Offenbarung belehrt zu werden. Doch diese
Dinge kommen
nicht, wenn man nicht danach strebt. Jene die Wissenschaft anwenden und
Glauben
und Offenbarung herabsetzen sollten über die Frage des Erlösers
nachdenken:
„Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander
empfangt,
nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt?“ (Johannes
5:44) Gott lädt uns ein,
mit ihm Gründe darzulegen, doch finde ich es
bedeutsam, dass dieses Darlegen von Gründen, zu dem uns Gott einlädt,
an geistige
Wirklichkeiten und Reife gebunden ist und nicht an wissenschaftliche
Erkenntnisse oder Reputation. Dreimal in neuzeitlicher Offenbarung hat
der Herr
vom Darlegen von Gründen mit seinem Volk gesprochen (LuB 45:10, 15;
50:10-12;
61:13; Siehe auch Jesaja 1:18). Es ist bedeutsam, dass all diese
Offenbarungen
an Personen gerichtet waren, die bereits Bündnisse mit dem Herrn
eingegangen
waren – an die Ältesten Israels und an die Mitglieder seiner
wiederhergestellten Kirche. In der ersten
dieser Offenbarungen sagte der Herr, er habe sein
immerwährendes Bündnis in die Welt gesandt, damit es ein Licht für die
Welt
sei, ein Maßstab für sein Volk. „Darum kommt zu ihm, und dem, der
kommt, werde
ich meine Gründe darlegen wie den Männern in alten Tagen, und ich werde
euch
meine starken Gründe zeigen“, sagte er (LuB 45:10) Dieses göttliche
Angebot,
vernünftig zu reden, war an jene gerichtet, die Glauben an Gott gezeigt
hatten,
die von ihren Sünden umgekehrt waren, die in den Wassern der Taufe
heilige
Bündnisse mit dem Herr gemacht hatten und die den Heiligen Geist
erhalten
hatten, der vom Vater und vom Sohn zeugt und uns in die Wahrheit führt.
Dieser
Gruppe hatte der angeboten (und tut es noch immer) ihr Verständnis
durch
Vernunft und Offenbarung zu erweitern. Einige Kritiker
der Heiligen der Letzten Tage, die die Historizität des
Buches Mormon bestreiten, versuchen die von ihnen vorgeschlagene
Sichtweise für
Heilige der Letzten Tage überzeugender scheinen zu lassen, indem sie
den Wert
von einigem Inhalt loben oder bekräftigen. Jene die diese Sichtweise
vertreten,
nehmen die beträchtliche Bürde auf sich, erklären zu müssen, wie sie
den Inhalt
eines Buche loben können, das sie als Fabel abtun. Ich habe nie die
ähnliche
Sichtweise in Bezug auf die Göttlichkeit des Erretters verstehen
können. Wie
wir wissen, verkünden ihn einige Geistliche als großen Lehrer und dann
müssen
sie erklären, wie der eine, der so erhabene Lehren erteilte, sich
selbst
(fälschlich, sagen sie) als Sohn Gottes verkünden kann, der von den
Toten auferstehen
werde. Die Kritiker neuen
Stils haben dasselbe Problem mit dem Buch Mormon.
Zum Beispiel könnten wir den Wert der Lehren bestätigen, die im Namen
eines
Mannes namens Moroni berichtet worden sind. Wenn diese Lehren jedoch
Wert
haben, wie erklären wir die folgenden Aussagen, die auch diesem Mann
zugeschrieben werden? Und wenn darin
Fehler sind, so sind es die Fehler eines Menschen. Aber siehe, wir
wissen von
keinem Fehler; doch Gott weiß alles; darum, wenn jemand verurteilt,
soll er
sich vorsehen, dass ihm nicht das Feuer der Hölle droht. (Mormon 8:17) Und ich ermahne
euch, an dies alles zu denken; denn die Zeit kommt schnell, da ihr
wissen
werdet, dass ich nicht lüge, denn ihr werdet mich vor dem Gericht
Gottes sehen;
und der Herr, Gott, wird zu euch sprechen: Habe ich euch nicht meine
Worte
verkündet, die von diesem Mann niedergeschrieben worden sind wie von
einem, der
von den Toten her ruft, ja, selbst wie von einem, der aus dem Staube
redet?
(Moroni 10:27) Es liegt etwas
Seltsames darin, die Moral oder den religiösen Inhalt
eines Buches anzunehmen und gleichzeitig die Wahrhaftigkeit der
Erklärungen,
Voraussagen und Feststellungen seines Autors abzulehnen. Diese
Sichtweise
verwirft nicht nur die Konzepte von Glaube und Offenbarung, die das
Buch Mormon
erklärt und vertritt, diese Sichtweise ist nicht einmal gute
Wissenschaft. Hier kann ich
nicht widerstehen, mich an die Worte eines geschätzten
Kollegen und Freundes zu erinnern, der jetzt verstorben ist. Dieser
berühmte
Rechtsprofessor sagte einem Anfangsjahrgang an der juristischen
Fakultät der
Universität von Chicago, dass ein Rechtsanwalt, zusammen mit allem
anderen,
auch ein Wissenschaftler sein müsse. Er setzte fort: Dass das seine
Reize hat, wird Ihnen durch die Worte des alten
jüdischen Gelehrten ins Gedächtnis gerufen: „Müll ist Müll. Doch die
Geschichte
des Mülls, das ist Wissenschaft.“ 4 Diese reizende
Illustration erinnert uns daran, dass Wissenschaft das
was banal ist nehmen und daraus etwas Erhabenes machen kann. Wie mit
der
Geschichte des Mülls. Doch sogenannte Wissenschaft kann auch das was
erhaben
ist nehmen und daraus etwas Banales machen. Mein Freund könnte seinen
Punkt
auch illustriert haben, indem er gesagt hätte: „Wunder sind nur Fabeln,
doch
die Geschichte der Wunder, das ist Wissenschaft.“ So ist es mit dem
Buch
Mormon. Jene, die dieses Buch nur als Objekt der Wissenschaft
respektieren,
haben eine sehr von denen verschiedene Sichtweise, die es als das
offenbarte
Wort Gottes schätzen. Wissenschaft und
physische Beweise sind weltliche Werte. Ich verstehe
ihren Wert und ich habe einige Erfahrung darin, sie zu benutzen.Solche
Techniken sprechen viele gemäß der Art ihres Verstehens an. Doch es
gibt auch
andere Methoden und Werte und wir dürfen uns der Wissenschaft nicht so
weit
hingeben, dass wir dem gegenüber, das durch Wissenschaft nicht gezeigt
oder
gemäß physischen Beweisen und intellektuellem Argumentieren verteidigt
werden
kann, nicht die Augen verschließen. Um eine andere
Illustration zu zitieren: Geschichte, sogar
Kirchengeschichte, ist nicht auf Wirtschaft oder Geographie oder
Soziologie
reduzierbar, wenn auch jede dieser Disziplinen etwas über den
Gegenstand zu
lehren hat. Bezüglich Geschichte kommentierte Präsident Hinckley über
die
Kritiker, die erniedrigende und herabsetzende Einzelheiten über
irgendwelche
unter unseren Vorfahren herausklauben: Wir anerkennen,
dass unsere Vorfahren menschlich waren. Sie machten zweifellos Fehler …
doch
die Fehler waren minimal, wenn man sie mit dem wunderbaren Werk
vergleicht, das
sie zustande gebracht haben. Die Fehler hervorzuheben und das größere
Gute zu
übergehen, heißt, eine Karikatur zu zeichnen. Karikaturen sind amüsant,
aber
sie sind oft hässlich und unehrlich. Ein Mann kann ein Muttermal auf
seiner
Wange haben und dennoch ein Gesicht voll Schönheit und Stärke haben,
doch wenn
das Muttermal in Bezug zu seinen anderen Zügen unpassend betont wird,
fehlt dem
Porträt die Integrität. … Ich fürchte die
Wahrheit nicht, ich begrüße sie. Doch ich möchte alle meine Tatsachen
in ihrem
richtigen Zusammenhangbetrachten, mit der Betonung auf jene Elemente,
die das
großartige Wachstum und die Macht dieser Organisation erklären.5 Im sechzehnten
Kapitel Matthäus lesen wir, wie Jesus Petrus den
wichtigen Gegensatz zwischen dem Handeln nach dem Geist und dem Handeln
nach
der eigenen Vernunft in Vertrauen auf die Wege der Welt lehrte: Als Jesus in das
Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten
die
Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer,
andere
für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da
sagte er zu
ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du
bist der
Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist
du,
Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart,
sondern
mein Vater im Himmel. Dann befahl er den Jüngern, niemand zu sagen,
dass er der
Messias sei. (Matth. 16:13-17,20) Das war die Lehre
des Herrn über den Wert von Offenbarung durch den
Geist (Gesegnet bist du, Simon Barjona). In den nächsten drei Versen
haben wir
die unverblümte Lehre des Erretters über den entgegensetzten Wert der
Argumente
nach weltlichen Werten desselben Apostels: Von da an begann
Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und
von den
Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden;
er werde
getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn
Petrus
beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten,
Herr! Das
darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu
Petrus:
Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall
bringen; denn
du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen
wollen.
(Verse 21-23) Ich schlage vor,
dass wir dasselbe tun und dieselbe Zurechtweisung wie
Petrus verdienen, sobald wir ein Zeugnis des Geistes (die Dinge die von
Gott
sind) der Arbeit von Wissenschaftlern oder dem Ergebnis unserer eigenen
Überlegungen gemäß weltlichen Werten (Die Dinge, die von Menschen sind)
unterwerfen. Menschliche
Überlegungen können Gott keine Grenzen setzen oder die
Kraft göttlicher Gebote oder Offenbarungen verwässern.Personen, die
zulassen,
dass das geschieht, stellen sich mit den ungläubigen Nephiten auf eine
Stufe,
die das Zeugnis des Propheten Samuel verwerfen. Im Buch Mormon heißt
es: „Und
sie fingen an, untereinander zu rechten und zu streiten, nämlich: Es
ist nicht
vernünftig, dass so ein Wesen wie ein Christus kommen wird ...“(Helaman
16:17-18) Menschen, die dies Art von „vernunftgemäßem Reden“ ausüben,
versperren sich sich selbst die köstliche Erfahrung, die jemand
beschrieben hat
als das Herz, das uns Dinge sagt, die unser Verstand nicht weiß.6 Leider machen
einige Heilige der Letzten Tage andere dafür lächerlich,
dass sie sich auf Offenbarung stützen. Solcher Spott kommt von jenen,
deren
wissenschaftliche Ausbildung hoch ist und deren geistige Bildung
niedrig ist.7 Die Hauptbedeutung
des Buches Mormon liegt darin, dass es bezeugt, dass
Jesus Christus der einzig gezeugte Sohn von Gott dem Ewigen Vater ist,
der uns
erlöst und von Tod und Sünde errettet. Wenn ein Bericht als
überragender Zeuge
für Jesus Christus da steht, wie könnte es da keine Unterschied machen,
ob der
Bericht Wahrheit oder Dichtung ist – ob die Personen, die von Christus
prophezeiten wirklich lebten und als Augenzeugen seines Erscheinens bei
ihnen
auftreten? Als Jack Welch und
ich das Thema meiner heutigen Rede besprachen, wies
er darauf hin, dass diese neue Welle des Antihistorizismus „ein neues
Kind in
unserm Block in Salt Lake City sein mag, dass es jedoch schon seit
mehreren
Jahrzehnten in einer Menge anderer christlicher Nachbarschaften
unterwegs ist.“ In der Tat! Das
Argument, dass es keinen Unterschied macht, ob das Buch
Mormon Wahrheit oder Dichtung ist, ist ganz sicher ein Geschwister des
Arguments, dass es keinen Unterschied macht, ob Jesus je gelebt hat.
Wie wir
wissen, gibt es viele sogenannte christliche Lehrer, die die Lehren
annehmen,
doch den Lehrer leugnen. Darüber hinaus gibt es jene, die sogar die
Existenz
oder die Erfahrbarkeit Gottes leugnen. Ihre Gegenstücke im Mormonismus
nehmen
einige der Lehren im Buch Mormon an, leugnen aber seine Historizität. Vor zwei Monaten
als ich die Zeitschrift Chronicles durchblätterte, die
vom Rockford Institut (dessen Direktor ich ungefähr 15 Jahre lang war)
herausgegeben wird, zog der Titel einer Buchbesprechung und der
großartige Ruf
seines Autors meine Aufmerksamkeit auf sich: „Wer braucht den
historischen
Jesus?“8
von Jacob Neusner, der Dr., Rabbiner und
Professor ist. Er besprach zwei Bücher, deren Titel jeweils die Worte
„der
historische Jesus“ enthält. Seine Bemerkungen sind bezüglich des Themas
der
Historizität ganz allgemein überzeugend. Neusner lobt diese
beiden Bücher, das eine als „ein eindringlich
kraftvolles und poetisches Buch … von einem großartigen Autor, der auch
ein
gewichtiger Wissenschaftler ist“ und das andere als „ein
wissenschaftliches
Meisterstück.“ Doch trotz seiner Anerkennung ihrer Technik, stellt
Neusner die
Angemessenheit der Bemühungen der Autoren in Frage. Ihr Bemühen war,
typisch
für die heutige wissenschaftliche Welt, eine skeptische Lesart an
Stelle einer
glaubenden anzunehmen, eine historische Studie vorzulegen, die „Fakten
von
Fabeln, Mythen von authentischen Ereignissen unterscheidet.“ Dadurch
veranlasste sie, ihr „skeptisches Lesen des Evangeliums“ anzunehmen,
der Jesus
Christus der Evangelium wäre nicht der Jesus, der tatsächlich gelebt
hat. Es
veranlasste sie auch anzunehmen, Historiker könnten den Unterschied
erkennen. In der
vorangehenden Beschreibung habe ich Neusners Buchbesprechung
umschrieben, nun zitiere ich seine Schlussfolgerungen: Keine historische
Arbeit erweist sich selbst als so unaufrichtig wie Arbeiten über den
historischen Jesus: Von Anfang bis Ende ist das ein theologisches Thema.9 Gewiss beinhaltet
keine Frage tiefere theologische Konsequenzen für Christen als die, was
jene
Person, von der sie glauben, dass sie die Inkarnation Gottes sei,
wirklich,
tatsächlich und wahrhaftig hier auf Erden sagte und tat. Doch die
historische
Methode, die nichts von Übernatürlichem weiß und Wunder mit offener
Verblüffung
betrachtet, gibt vor sie zu beantworten.10 Doch (historische
und sonstige) Aussagen über die Gründer von Religionen bieten
Wahrheiten von
anderer Art. Solche Aussagen haben nicht nur schwerwiegendere
Konsequenzen,
sondern sie stützen sich auf ganz andere Quellen als jenen von der Art,
die
berichten, was George Washington an einem bestimmten Tag des Jahres
1775 tat.
Sie beruhen auf Offenbarung, nicht auf bloßer Information. Sie
behaupten, und
jene die sie wertschätzen glauben, dass sie ihren Ursprung in Gottes
Offenbarung oder Inspiration haben. Von den Evangelien zu fordern,
historische
statt Evangeliumswahrheiten zu liefern, verwechselt theologische
Wahrheit mit
historischer Tatsache und reduziert sie auf die Maße dieser Welt und
behandelt
Jesus genau als das Gegenteil von dem, was die Christenheit schon immer
wusste,
dass er ist, was einzigartig ist. Wenn wir vom
„historischen Jesus“ sprechen, sezieren wir einen heiligen Gegenstand
mit einem
weltlichen Skalpell und in der Verwirrung der Wahrheitskategorien
stirbt der
Patient auf dem OP-Tisch. Die Chirurgen vergessen, warum sie den
Schnitt
gemacht haben. Sie entnehmen das Herz, und vergessen es zurückzusetzen.
Die
Aussage „eins und eins ist zwei“ oder „Die verfassunggebende
Versammlung traf
sich 1787“ sind einfach nicht von derselben Ordnung wie „Mose erhielt
die Thora
am Sinai“ oder „Jesus Christus ist der Sohn Gottes.“ Welcher
historische
Beweis kann uns zeigen, ob jemand wirklich von den Toten auferstand
oder was
Gott dem Propheten am Sinai sagte? Ich kann keine historische Methode
finden,
die der Aufgabe gewachsen wäre, die Behauptung zu verifizieren, dass
der Sohn
Gottes von einem jungfäulichen Mädchen geboren wurde. Und wie können
Historiker, die es gewöhnt sind die Ursachen des Sezessionskrieges zu
erklären,
von Wundern oder Menschen die von den Toten auferstehen und von anderen
Dingen
umfassenden Glaubens sprechen? Historiker, die mit Wundergeschichten
arbeiten,
erreichen nur etwas, das entweder den Glauben nur beschreibt, ihm
gleichgültig
gegenüber steht oder einfach dumm ist. In ihrer Arbeit haben wir nichts
anderes
als Theologie, die sich als „kritische Geschichte“ verkleidet. Wenn ich
Christ
wäre, würde ich fragen, warum die Krone der Wissenschaft einem Jesus
aufs Haupt
gesetzt werden müsse, der auf diesseitige Dimensionen reduziert wurde
und würde
hinzufügen, dass das eine weitere Dornenkrone ist. Aus meiner
Sichtweise als
Rabbiner sage ich nur, dass diese Bücher ganz einfach und gewaltig
irrelevant
sind.11 Bitte verzeihen
Sie, dass ich Sie mit diesem langen Zitat belaste, doch
hoffe ich, dass Sie meiner Schlussfolgerung beipflichten werden, dass
das, was
der Rabbi/Professor über den historischen Jesus sagt, genauso
angemessen und
überzeugend ist bezüglich der Frage der Historizität des Buches Mormon.12 Um die Sache kurz
zu machen: Ein wissenschaftlicher Experte ist ein
Spezialist in einer bestimmten Disziplin. Definitionsgemäß weiß er
alles oder
fast alles über einen sehr engen Bereich menschlicher Erfahrung. Zu
denken, er
könne uns etwas über andere Wissenschaftsdisziplinen sagen, geschweige
denn
über Gottes Absichten und das ewige System der Dinge, ist bestenfalls
naiv. Gute
Wissenschaftler sind sich der Grenzen ihrer eigenen Fachbereiche
bewusst und ihre Schlussfolgerungen werden sorgfältig auf ihr
Wissensgebiet
begrenzt. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an die Geschichte
von den
Beobachtungen eines alten Richters. Als sie durch Weideland reisten, wo
Kühe
auf den grünen Weiden grasten, sagte ein Bekannter: „Schau doch diese
gefleckten Kühe.“ Der vorsichtige Richter beobachtete genau und räumte
ein:
„Ja, jene Kühe sind gefleckt, zumindest auf dieser Seite.“ Ich
wünschte, dass
alle Kritiker des Buches Mormon, einschließlich jener, die sich
veranlasst
sehen, seine Historizität in Frage zu stellen, auch nur halb so
vorsichtig
bezüglich ihrer „wissenschaftlichen“ Schlussfolgerungen wären. In dieser
Botschaft habe ich einige Gedanken über ein halbes Dutzend
Themen in Bezug zur Historizität des Buches Mormon dargelegt. 1.
In diesem Thema
wie in so vielen anderen, die
unseren Glauben und unsere Theologie betreffen, ist es wichtig, sich
sowohl auf
Glauben und Offenbarung als auch auf Wissenschaft zu stützen. 2.
Ich bin überzeugt,
dass weltliche Beweise die
Authentizität des Buches Mormon weder beweisen noch widerlegen können. 3.
Jene, die die
Historizität des Buches Mormon
leugnen, haben die schwierige Aufgabe, ein Negativum zu beweisen.Sie
habe auch
die unangenehme Pflicht zu erklären, wie sie einerseits das Buch Mormon
als
Fabel abtun können aber andererseits etwas von seinem Inhalt loben
können. 4.
Wir wissen aus der
Bibel, dass Jesus seine
Apostel darüber belehrte, dass sie in der wichtigen Angelegenheit
seiner eigenen
Identität und Mission „selig“ seien, weil sie sich auf das Zeugnis von
Offenbarung stützen („die Dinge, die von Gott sind“)und es ist
beleidigend für
ihn, wenn sie gemäß weltlichen Werten und Argumenten handeln (… im Sinn
… was
die Menschen wollen)(Matth. 16:23). 5.
Jene
Wissenschaftler, die sich auf Glauben und
Offenbarung ebenso stützen wie auf Wissenschaft und die die
Authetizität des
Buches Mormon annehmen, müssen Spott von jenen ertragen, die diese
Dinge Gottes
verachten. 6.
Ich habe auch
dargestellt, dass nicht alle
Wissenschaftler den Wert religiösen Glaubens und die Berechtigung des
Übernatürlichen verachten wenn sie auf theologische Wahrheiten
angewandt
werden. Einige kritisieren sogar den „intellektuellen Provinzialismus“
jener,
die die Methoden historischer Kritik auf das Buch Mormon anwenden. Ich schließe mit
einem Gedanken über Vielfalt. Vielfalt ist eines der
beliebtesten Modewörter unserer Zeit. Richtig angewendet ist es ein
wunderbares
Konzept, das Harmonie, Liebe und persönliches Wachstum fördert. Doch so
wie ihr
Schwesterkonzept, die Toleranz, kann sie missbraucht werden zum
Nachteil oder
zur Zerstörung ihrer Vertreter und derer im sie herum. Wieviel Toleranz
sollten wir dem Bösen gegenüber zeigen? Tolerieren wir
unflätige Ausdrücke auf der Kanzel? Wie steht es um falsche Lehre?
Sollten wir
Vielfalt in unseren persönlichen Werten oder unseren intimen
Beziehungen
pflegen? Wenn Toleranz und
Vielfalt ihren erhöhten Zweck erreichen sollen,
müssen sie umsichtig, gebetsvoll und gezielt und nicht simpel und
absolut
praktiziert werden. Es wäre gut wenn jene, die öffentlich Vielfalt
preisen eine
kleine Erklärung hinzufügen würden um klarzustellen „Vielfalt worin.“ Zu diesem Thema
spende ich den Worten von Patricia B. Grey aus Provo in
einem Leserbrief an die Deseret News vom 20. Oktober 1993 Beifall. Ihr
Brief
beginnt damit, dass sie bemerkt, dass das Wort Vielfalt wie es in
letzter Zeit
in einigen öffentlichen Mitteilungen gebraucht wird, eher „heutige
politische
Denkweise als offenbarte Wahrheit“ widerspiegelt. Sie schreibt weiter: Sicherlich schätzt
Gott Vielfalt in nahezu allem – außer in der Treue und dem Glauben
seiner
Nachfolger . Die HLT Kirche existiert als Beweis seiner Ablehnung von
Vielfalt
im Glauben. Ein rasches
Durchschauen der Schriften findet keinen Unterstützung für solche
Vielfalt
innerhalb der Kirche. Stattdessen gibt es über 40 Aufrufe nach Einheit,
einschließlich „wenn ihr nicht eins seid, seid ihr nicht mein.“ Liebe und
Mitgefühl
für den Sündern erlauben es der Kirche nicht, wiederholte, willentliche
Auflehnung zu übersehen (69 Hinweise in der Schrift) … Offene
Auflehnung ist
ganz klar Sünde, genauso wie Verleumdung (15 Hinweise), Streit (34
Hinweise)
und ähnliches. Natürlich haben
die
meisten von uns zuweilen rebellische Gedanken, Zweifel, Versuchungen,
das
Gefühl, dass wir es besser wüssten als unsere Führer. Die meisten von
uns
klären dies jedoch ohne sie öffentlich darzulegen, Streit zu entfachen
und den
Glauben anderer herauszufordern oder eine Pressekonferenz
einzuberufen.... Ich gebe nicht
vor, für die Kirche zu sprechen, aber viele leicht
vertrete ich die tausenden intelligenten, unabhängigen Menschen, deren
Seelen
auf die geistige Kraft der Generalkonfernz mehr ansprechen als auf die
Gedankenübungen des Sunstone Symposiums.13 Brüder und
Schwestern, wie dankbar sind wir doch – wir alle, die wir
uns auf Wissenschaft, Glauben und Offenbarung stützen – für das was ihr
macht.
Gott möge die Gründer und Unterstützer und die Mitarbeiter der Stiftung
für
Altertumsforschung und mormonische Studien segnen. Die Arbeit die Sie
tun ist
wohlbekannt und sie wird geschätzt. Ich zeuge von
Jesus Christus, dem wir dienen, dessen Kirche das ist.
Ich rufe seine Segnungen auf Sie herab. Im Namen Jesu Christi, Amen. Anmerkungen *Prof. John W.
Welchs Anregungen zu diesem Thema werden dankbar
anerkannt. 1 Anthony A. Hutchinson, "The Word of God Is Enough: The Book of Mormon as Nineteenth-Century Scripture," New Approaches to the Book of Mormon [Salt Lake City, Utah: Signature Books, 1993], S. 1 [Das Wort Gottes ist genug: Das Buch Mormon als Heilige Schrift des 19. Jahrhunderts. Neue Betrachtungsweisen des Buches Mormon.] 2 Hugh Nibley, Kapitel 5 von The World of the Jaredites, [die Welt der Jarediten] in The Collected Works of Hugh Nibley, Band. 5 [Salt Lake City: Deseret Book Co., 1988], S. 237. 3 Orson Scott Card, A Storyteller in Zion [Salt Lake City: Bookcraft, 1993], S. 13—45. 4 Paul M. Bator, "Talk to the First Year Class," The Law School Record, vol. 35, Spring, 1989, S. 7.[Ansprache an die Erstsemester] 5 In Konferenzbericht Oktober 1983 S. 68; Der Stern Januar 1984, S. 6 Siehe Harold B. Lee, Stand Ye in Holy Places, [Salt Lake City: Deseret Book Co., 1974], S. 92. 7 z.B. Siehe Kommentare in Dialogue, Bd. 26, Nr. 2, Sommer, 1993, S. 211—12. 8 Chronicles, Juli 1993, S. 32—34. 9 Ibid., S. 34. 1 0 Ibid., S. 32. 1 1 Ibid., S. 32—33. 1 2 Neusner stimmt offenbar zu, siehe seinen Leserbrief in Sunstone, Juli 1993, S. 7-8 1 3 Deseret News, 20. Okt. 1993, S. A23. |
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