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Die Faksimiles und semitische Anpassung existierender Quellen Kevin L. Barney
Manchmal beginnt eine Beschreibung des historischen Hintergrundes der Joseph-Smith-Papyri mit einem Bericht über Napoleons Invasion von Ägypten im Jahr 1798.i Napoleon brachte eine kleine Armee von Wissenschaftlern und Künstlern mit, deren veröffentlichte Berichte über die Wunder Ägyptens bald eine Welle der Ägyptomanie unter Europäern entzündete.ii Dieses intensive Interesse kurbelte die Nachfrage nach ägyptischen Antiquitäten an, die Männer wie Antonio Lebolo, der Ausgräber der Jospeh Smith Papyri, nur allzu gerne befriedigen wollten. So schufen die Gelehrten Napoleons und die europäische Reaktion auf ihre Arbeit die Bedingungen, die schließlich in Kirtland im Jahr 1835 zum Kauf einer Sammlung ägyptischer Antiquitäten durch eine Gruppe Heiliger der Letzten Tage, unter ihnen Joseph Smith, führte. Später sollte Joseph dann darangehen gewisse Papyri aus dieser Sammlung als das Buch Abraham zu übersetzen. Ähnlich wie die romantischen Europäer des frühen 19. Jahrhunderts von Ägyptisch-Orientalischem fasziniert waren, so fasziniert waren die Heiligen der Letzten Tage (und ihre Kritiker) von allem Ägyptischen im Buch Abraham seit seiner ersten Veröffentlichung in Times and Seasons im Jahr 1842. Diese Faszination, die ich selbst teile, kann man sehr wohl verstehen. Im 20. Jahrhundert überstand das Buch Abraham zwei kritische Angriffe auf seine Echtheit, die beide auf das ägyptische Material in Bezug zum Buch gegründet waren. Erstens schickte Franklin S. Spalding, der episkopale Bischof von Utah, im Jahr 1912 Kopien der Faksimiles aus dem Buch Abraham zusammen mit der von Joseph Smith angebotenen Erklärung an eine Anzahl prominenter Ägyptologen seiner Zeit. Die Ägyptologen kamen zu dem Schluss, dass die Erklärungen des Propheten nicht richtig waren.iii Zweitens wurde im Jahr 1967 ein kleiner Teil der ursprünglichen Sammlung der Joseph-Smith-Papyri vom Metropolitan Museum of Art in New York City wiedergefunden, einschließlich des Originals, von dem das Faksimile Nr. 1 stammte. Kritiker argumentierten, Josephs Smith habe „gedacht“, er übersetze das Buch Abraham von einem Papyrus, der Teil dieser wiedergefundenen Sammlung war, der der Sensen Papyrus genannt wurde und heute als Joseph Smith Papyrus [JSP] I, XI, und X bezeichnet wird. Als heutige Ägyptologen diesen Papyrus übersetzten, stellte sich heraus, dass es nicht annähernd den englischen Text des Buches Abraham enthielt, sondern dass er ein ägyptisches „Buch des Atmens“ war.iv In beiden Fällen waren viele Kritiker sicher, dass der Fall des Buches Abraham, und, wie sie hofften, damit der Kirche, unmittelbar bevorstand. Ohne Zweifel mussten sie wohl frustriert mit ansehen, wie der Glaube an das Buch Mormon und an die göttliche Mission der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in den über dreißig Jahren seit der Wiederentdeckung der Joseph-Smith-Papyri durch das Metropolitan Museum ungebrochen weiterwuchs.
In dieser Veröffentlichung werden wir uns kurz der Broschüre Spaldings zuwenden und der zeitgenössischen HLT Antwort. Wir werden sehen, dass die frühen HLT, die darauf reagierten, einige der einfachen Annahmen verwarfen, die wohl einige bezüglich der Papyri zu haben schienen. Das war vor allem die Annahme, die Papyri, die Joseph besaß, seien das tatsächliche holografische Original gewesen, das eigenhändig aus Abrahams Feder floss, im Gegensatz zur Annahme, es sei eine spätere Kopie des Textes von Abraham. Trotzdem jene HLT, die Spalding erwiderten, diese Annahmen schon früh verworfen haben des frühen Verwerfens dieser Annahme durch die erwidernden HLT, haben sie nicht aufgehört, die HLT in ihrer Wahrnehmung der Papyri manchmal fehlzuleiten. Wenn wir, gemeinsam mit jenen die 1912 antworteten, zu Recht die Annahme verwerfen, es handle sich bei den Papyri um einen Autographen Abrahams, finden wir andere Möglichkeiten bezüglich der Herkunft und der Geschichte des Buches Abraham. Zum Beispiel kann dieses Buch seinen Ursprung in einem semitischen Text haben, der den normalen Übertragungsprozess des Abschreibens, Übersetzens und der Bearbeitung durchlief, von der Zeit Abrahams in der mittleren Bronzezeit bis in die griechisch-römische Zeit, als die ägyptischen Kopien auf Papyrus gemacht wurden. Im Besonderen sind wir der Ansicht, dass die Faksimiles wohl nicht von Abrahams Hand gezeichnet wurden, sondern dass es ägyptische religiöse Vignetten waren, die durch einen ägyptisch-jüdischen Bearbeiter als Illustrationen des Buches Abraham übernommen oder angepasst wurden. Wir werden allgemeine Prozesse der Anpassung ägyptische Quellen aufzeigen und dann im einzelnen drei spezielle Beispiele aus der griechisch-römischen Zeit beschreiben (derselben Zeit, in der die Joseph-Smith-Papyri entstanden), die alle auf irgendeine Weise einen Bezug zu Abraham aufweisen. Wir werden behaupten, das solche jüdischen Anpassungen von ägyptischen Quellen während dieser Periode üblich waren. Das würde die Anpassung der Faksimiles als Illustrationen für das Buch Abraham erklären, die durch diesen Bearbeiter als Teil der antiken Übertragung erfolgt sein könnte. Nachdem wir diese Theorie der semitischen Anpassung zum Ausdruck gebracht haben, werden wir die Kritik von Stephen Thompson an der Interpretation der Faksimiles durch Joseph Smith untersuchen. Wir werden zeigen, wie diese Theorie die Fragen löst, die Thompson aufwirft. Zum Abschluss werden wir die allgemeine Erklärungskraft der Theorie der semitischen Anpassung beschreiben.
Die Schrift von Spalding
Von den beiden großen Aufregungen um das Buch Abraham war die von 1912 die größere Herausforderung, wenn auch nur deshalb, da den Heiligen ein Hugh Nibley fehlte, der ihren Teil der Diskussion hätte übernehmen können. Spaldings Traktat zog aus mehreren Gründen die Aufmerksamkeit der Heiligen auf sich. Der erste und offensichtlichste Grund war das akademische Prestige, das Spaldigs Schar von Experten darstellte. Zweitens war es der entwaffnende Ton seiner Schrift. Die Heiligen der Letzten Tage waren an erbitterte polemische Schlachten gewöhnt, Spalding schrieb aber in freundlichem Ton. Er widmete die Schrift seinen vielen HLT-Freunden, die er als „ernsthafte Wahrheitssucher“ bezeichnete.v Er setzte auch ein wenig Schmeichelei ein. Sein Einführungssatz bereitet die Bühne vor: „Falls das Buch Mormon wahr ist, ist es, neben der Bibel, das wichtigste Buch der Welt.“ vi Merke: Er benutzte nicht den Konditional zwei, um auszudrücken, dass das aber nicht der Fall ist, er sagt nicht: „Wenn das Buch Mormon wahr wäre, wäre es wichtig. Stattdessen erweckt er den Eindruck der Offenheit, dass er die Möglichkeit, dass das Buch wahr sein könnte, zulässt. Wenn es wirklich wahr ist, sagt er, dann ist es von großem Wert für Neutestamentler und andere Religionswissenschaftler, für Archäologen, und Naturwissenschaftler, einschließlich Botaniker, Zoologen und Geologen. Dann stellt er fest: „Es ist nicht zu entschuldigen, dass das Buch niemals die ernsthafte Untersuchung erfahren hat, die seine Bedeutung verlangt.“vii Mit all diesen Feststellungen hätten seine HLT-Leser in feierlicher Zustimmung nur mit dem Kopf genickt. In einigen weiteren Kapiteln beschreibt er, dass eine endgültige Prüfung des Buches Mormon nicht möglich ist, da die Platten wovon es entnommen wurde, nicht vorhanden sind. Wir haben aber das Buch Abraham mit seinen Faksimiles. Hier gibt es also eine Möglichkeit, die Fähigkeit von Joseph Smith als Übersetzer zu prüfen und damit indirekt den Wert des Buches Mormon als einer Übersetzung zu ermitteln. Mit diesen Voraussetzungen zieht er in seinem Schlusskapitel Briefe von acht Orientalisten einschließlich einiger der prominentesten Ägyptologen der Zeit, ohne nennenswerten Kommentar aus dem Hut. Sie alle ziehen den Schluss, dass die Interpretation, die Joseph für die Faksimiles liefert, falsch ist. Der erste Heilige der Letzten Tage, der Spalding erwidert, ist B. H. Roberts. Roberts war ein persönlicher Freund Spaldings und seine anfängliche Meinung war, Spalding sei in seinem Werk vollständig fair gewesen und er lobte Spladings Höflichkeit, ja Großzügigkeit, in der Behandlung seiner Sache.viii Als aber andere begannen, das Traktat genauer anzuschauen,ix dauerte es nicht lange, bis sie entdeckten, das Spaldings Fairness nur oberflächlich war, ein Fall von Wolf im Schafspelz, der einen wölfischen antimormonischen Angriff verdeckte. Besonders irritierend war, dass Spalding nie die Korrespondenz veröffentlichte, mit der er die Stellungnahmen der Experten erbeten hatte. Die Briefe der Experten wiesen Anzeichen dafür auf, dass ihnen mit den bittenden Briefen Vorurteile gegen Josephs Interpretationen eingeimpft worden sind, wie es bei einer völlig neutralen Bitte nicht geschehen wäre.x Spaldings Unfähigkeit, auf die Richtigkeit seiner Position von vorne herein zu vertrauen, was ihn offensichtlich dazu verleitete, die Quelle mit seinen gelehrten Briefadressaten zu vergiften, war ein ernster Fehler, der seine Glaubwürdigkeit bei seinem mormonischen Publikum untergrub. Spalding machte auch noch andere Fehler. Zum Beispiel war es meiner Meinung nach in gerichtstechnischer Hinsicht ein Fehler, in Form einer Schlussfolgerung gegen das Buch Mormon vorzugehen, statt seine Bemühungen direkt auf das Buch Abraham zu konzentrieren. Eine Durchsicht der Literatur der Auseinandersetzung offenbart zusätzliche strategische Fehler wie:
Der dritte Grund, warum Spaldings Traktat so erfolgreich die Aufmerksamkeit auf sich zog war, dass es auf einem Geflecht von Annahmen beruhte, die anscheinend zu jener Zeit von Mormonen allgemein akzeptiert wurden. Diese Annahmen schlossen die folgenden ein:
Da es sich also um rein ägyptische Dokumente handelt, können die Faksimiles ordnungsgemäß geprüft werden, ohne irgendeinen Bezug zum Buch Abraham, auf welches sie behaupten sich zu beziehen.
Zur leichteren Bezugnahme werde ich diese Annahmen als die autografischen Annahmen bezeichnen. Sofern sie angenommen wurden, gaben die autografischen Annahmen Spalding im Hinblick auf eine Reihe wichtiger Beziehungen einen Vorteil. Erstens schuf er dadurch, dass er darauf bestand, dass die dem Buch Abraham und den Faksimiles zugrunde liegenden Dokumente autografisch wären, einen sehr frühen Bezugspunkt für einen historischen Anachronismus. Allgemein wird angenommen, Abraham habe um das 20. Jahrhundert v. Chr. gelebt, ein paar Jahrhunderte auf oder ab. Wenn gezeigt werden konnte, dass Dokumente von der Art, wie sie die Faksimile darstellten, aus wesentlich späterer Zeit stammten, dann konnten die Dokumente tatsächlich nicht von Abraham stammen. Zweitens, wenn die Papyri von Abraham selbst in Ägyptisch verfasst worden sind, dann muss der ägyptische Inhalt vollständig von Abraham beabsichtigt gewesen sein und dann können sie wie jedes gewöhnliche ägyptische Dokument, wie jeder andere ägyptische Papyrus behandelt werden. Deshalb wäre es für die Ägyptologen angemessen, die Authentizität der Erklärungen von Joseph Smith zu bewerten, ohne das englische Buch Abraham zu berücksichtigen, dessen Papyrusquelle nicht mehr vorhanden ist. Wenn auch die autographische Annahme unter den Heiligen jener Zeit wohl allgemein akzeptiert war, so doch nur, weil sie nicht untersucht worden war. Zwar machte Spalding strategische Fehler in seiner Schrift, doch jene die ihm erwiderten, gingen auch in die Irre. Ihr erster und größter Fehler war, dass sie nicht vorbereitet waren, obwohl sie aus Studien oder Kommentaren, die früher schon in Umlauf waren, wussten oder hätten wissen sollen, dass die Interpretation der Faksimiles ein Thema werden würde.xv In seinem Überblick über den Fall wies Hugh Nibley die Akademiker unter den Heiligen der Letzten Tage zu jener Zeit berechtigt zurecht, da sie kalt erwischt worden waren. Niemanden mit Kenntnissen in der jungen Wissenschaft der Ägyptologie auf ihrer Seite zu haben, war ein gewaltiger Nachteil.xvi
Wenn auch Spaldings Traktat kurzfristig eine ziemliche Aufregung verursachte, war es langfristig vorteilhaft für die Heiligen, da es sie dazu veranlasste, ihre Annahmen über die Faksimiles, besonders auch die autografische Annahme, zu überprüfen. Diese Überprüfung begann fast unmittelbar, als gewisse Personen, die darauf erwiderten, die Voraussetzungen, auf die Spaldings Argumentation aufbaute, in Frage stellten. Daher schrieb Homans (Webb) über die angebliche autografische Natur der Papyri:
Einige der Heiligen der Letzten Tage scheinen geglaubt zu haben, dass die fraglichen Papyri buchstäblich die eigenhändige Arbeit von Abraham und Joseph seien, dass die Hand Abrahams genau den Papyrus, den Joseph Smith in Händen hielt, bereitet habe. Ein solcher Schluss scheint aber der Text des Berichtes von Smith nicht nahezulegen und braucht nicht als autoritativ betrachtet zu werden.xvii
Osborn Widtsoe widersprach der Annahme, die Faksimile hätten 1. dieselbe Herkunft wie das Buch Abaraham und 2. seien selbst autografische Dokumente:
Statt den Ursprungstext des Buches Abraham darzustellen, sind die Faksimiles in Wahrheit kein Teil davon. Sie wurden einfach bei den Mumien gefunden. Statt dass die Faksimiles von Abrahams eigener Hand geschrieben worden wären, und somit eine einzigartige Offenbarung darstellten. ist es unzweifelhaft wahr, dass sie Faksimiles einer Reihe von Dokumenten sind, die der gemeinsame Besitz eines ganzen Volkes waren. Es beeinflusst die Bedeutung der Faksimiles daher nicht, wenn sie zu einer Zeit gehören, die Jahrhunderte später als Abraham liegt.xviii
Zur Frage der ursprüngliche Sprache des Buches Abraham fragt John A. Widtsoe: „Wer sagt oder hat gesagt, dass Abraham das Buch Abraham in Ägyptisch geschrieben hat?“xix Da die Papyri in Ägyptisch geschrieben sind, ist das gewiss eine der Sprachen, die wir in Betracht ziehen müssen. Da aber die Papyri keine autografischen Dokumente sind, lässt die lange Zeit, die seit dem Zeitalter Abrahams bis zum Zeitalter der Papyri den Schluss, das Buch sei in Ägyptisch verfasst worden, kaum zwingend erscheinen. Widtsoe hatte das Gefühl, dass die Antwort auf diese Frage wahrscheinlich in sorgfältigem Lesen des Buches Abraham selbst, das die Experten allgemein ignorierten, zu finden sein dürfte.xx Wenn ein bislang unbekanntes Buch aus dem Altertum entdeckt wird, nehmen die Gelehrten nicht einfach an, dass das Buch ursprünglich in der Sprache erstellt wurde, in der es zufällig noch existiert. Zum Beispiel nehmen sie nicht an, dass die Apokalypse von Abraham in Altslawisch verfasst wurde, nur weil der Text zufällig in dieser Sprache erhalten blieb. Stattdessen untersuchen sie das Buch sorgfältig, um Hinweise auf die Sprache seiner Verfassung zu finden. Sjodal machte die feinfühlige und völlig offensichtliche Feststellung, dass Abraham ein Semite war, dessen Muttersprache Semitisch gewesen wäre.xxi Viel von dem Material im Buch Abraham hat nichts mit Ägypten zu tun. Ich glaube außerdem, dass ein sorgfältiges Studium des Buches Abraham sehr wahrscheinlich den zutiefst semitischen Charakter des Buches beleuchten würde. Meiner Ansicht nach sind die autografischen Annahmen unrichtigxxii. Mir scheint es viel wahrscheinlicher, falls Abraham den Ursprungstext verfasst hat, von dem das Buch Abraham stammt, hätte
Ich glaube weitgehend, dass mormonische Gelehrte die falsche Voraussetzung der autographischen Annahme zu Recht zurückgewiesen haben, auf der der Angriff Spaldings beruhte. Doch in einer sehr wichtigen Hinsicht haben sowohl die Kritiker als auch zu viele Verteidiger kurzsichtig die Faksimile weiterhin so betrachtet, wie es Spalding und seine Ägyptologen taten. Der Maßstab, mit dem Spalding die Interpretationen der Faksimile durch Joseph messen wollte, war, ob sie mit dem übereinstimmten, was sie für heutige Ägyptologen bedeuten. Mormonische Gelehrte haben diesen Standpunkt dadurch etwas verfeinert, dass sie auch der Frage nachgingen, was sie wohl einem antiken Ägypter bedeuteten.xxiv Nun, was die Faksimiles modernen Ägyptologen bedeuten und was sie alten Ägyptern bedeutet hätten, sind beides interessante und notwendige Fragen. Studien in dieser Richtung müssen fortgesetzt werden. Dennoch scheint mir, dass sie nur dann die abschließenden Fragen sind, wenn wir Spaldings Voraussetzung annehmen,, dass Abraham eigenhändig die Faksimiles zeichnete und in jeder Hinsicht ihr Schöpfer und Autor war.. Aber was ist, wenn Abraham die Faksimiles nicht gezeichnet hat? Was ist, wenn sie bereits vorhanden waren und von einem ägyptisch-jüdischen Bearbeiter entweder übernommen oder angepasst worden sind, um zu versuchen Abrahams Leben zu illustrieren und darzustellen, wie Abraham die Ägypter Astronomie lehrte? ( zur Erleichterung werde ich diesen hypothetischen jüdischen Bearbeiter als „J-red“ bezeichnen). In diesem Fall hätten die Faksimiles sowohl einen ägyptischen Zusammenhang (und würden den religiösen Zweck widerspiegeln, für den sie die Ägypter ursprünglich schufen) und einen semitischen Zusammenhang ( indem sie den religiösen Zweck widerspiegeln, für den sie J-red übernommenxxv oder angepasstxxvi hat). So wäre die abschließende Frage nicht: „Was bedeuten die Faksimiles heutigen Ägyptologen?“ und auch nicht „Was hätten die Faksimiles einem antiken Ägypter bedeutet?“, sondern vielmehr: „Was hätten die Faksimile J-red bedeutet?“ Wir haben die Neigung, wenn wir die Faksimile betrachten, Abraham als hoch gebildet und wissend in ägyptischer Religion zu halten, als ob er eine Art ägyptischer Priester gewesen wäre. Doch das ist nur eine Annahme. Auch wenn Abraham gemäß dem biblischen Kanon Ägypten besuchte, wissen wir nicht einmal, ob er die ägyptische Sprache erlernte, geschweige denn, ob er in die ägyptischen Mysterien eingeweiht wurde. Der Versuch, Abraham zu opfern, fand nicht in Ägypten statt und Abraham erhielt seine Offenbarung der Himmel außerhalb Ägyptens. Als Abraham schließlich wegen einer Hungersnot nach Ägypten ging, lehrte er die Ägypter Astronomie. Man beachte, dass Abraham derjenige war, der lehrte, nicht umgekehrt. Nach allem, was wir wissen, könnte er mit den Ägyptern durch Dolmetscher in seiner eigenen Sprache kommuniziert haben. Verteidiger des Buches Abraham trachten seit langem danach, die Erklärungen Josephs aus dem Blickwinkel konventioneller ägyptischer Religionsinterpretationen zu verstehen. Nochmals, aus Gründen, die ich weiter unten erklären werde, glaube ich, dass solche Tätigkeit angemessen und nötig ist, so weit sie reicht. Wir wollen aber diese Tätigkeit zu ihrem logischen Abschluss bringen. Nehmen wir an, es gelänge zu zeigen, dass die Erklärungen Joseph in jeder Weise mit denen der Ägypter selbst übereinstimmen? Das kann die Kritiker zufriedenstellen oder auch nicht, aber was wäre dann der religiöse Wert für uns? Verehren wir Atum-Re? Sollten wir den ägyptischen Kult wiederbeleben? Mir scheint es, dass diese Dokumente nur dann religiösen Wert für uns haben, wenn wir sie in Übereinstimmung mit semitischem Empfinden neu bewerten, indem wir sie auf Ereignisse im Leben Abrahams anwenden. Ich nehme an, dass J-red, unser hypothetischer ägyptisch-jüdischer Bearbeiter, als Teil der Textbearbeitung aus einem Buch des Atmens Vignetten und einen Hypocephalus als Illustrationen für das Buch Abraham übernahm oder anpasste. Indem er die Papyri für einen neuen Zweck verwendete, interpretierte er sie in Übereinstimmung mit semitischem Religionsempfinden und den Erfordernissen der Abrahamerzählung neu. Deshalb wurde das ägyptische Material in den Faksimiles durch ein semitisches Prisma gebrochen. Nur indem wir die Faksimiles durch eine semitische Linse betrachten, können wir klar sehen, wie sich die Erklärungen auf die Figuren beziehen.
Die Belehrungen von Amenemope
In sehr allgemeiner Weise könnte die jüdische kulturelle und religiöse Anpassung von ägyptischem Material durch die Parallelen der Belehrungen des Amenemope und dem Buch der Sprichwörter illustriert werden. Die Belehrungen des Amenope ist ein Sammlung von weisen Sprüchen, die in Ägypten während des neuen Reiches (1550 – 1069 v. Chr.) geschrieben wurden. Erstmals wurden sie von E. A. Wallis Budge 1923 veröffentlichtxxvii. Der Papyrus wurde in einer Statue des Osiris aus einem Grab in Theben gefunden. Eine andere Kopie wurde als Fragment entdeckt und in den 60er Jahren veröffentlichtxxviii und weitere Kopien kennt man von Schreibtafeln im Museum in Turin, im Puschkin-Museum in Moskau und im Louvre.xxix Budge erwähnt ein paar Parallelen zwischen Amenemope und Sprichwörter, doch erst ein späterer Artikel, 1924 veröffentlicht von Adolf Erman, zog die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf solche Parallelen.xxx Eine gewaltige Menge Gelehrtentinte wurde seit dieser Zeit beim Versuch ausgegossen die Beziehungen zwischen zwei Texten auszudrücken.. Die meisten Gelehrten betrachten die Sprichwörter als von Amenemope oder einer gemeinsamen Quelle abhängig. Eine kleine Minderheit argumentiert, die Abhängigkeit bestehe in der anderen Richtung und einige Gelehrte sind der Meinung, es bestehe gar keine Verbindung und die Ähnlichkeiten müssten durch Polygenese erklärt werden.xxxi Ich würde mich der Mehrheit der Gelehrten anschließen, dass die Sprichwörter entweder direkt oder indirekt auf Amenemope oder eine gemeinsame Quelle zurückgehen. Diese Parallelen werden gut akzeptiert. Die wissenschaftliche Standardausgabe der hebräischen Bibel gibt in der lateinischen Notation ihres kritischen Apparates eine Reihe von Anmerkungen, in denen das Hebräische mit den doctrina Amenope verglichen wird.xxxii Eine Zusammenstellung der Beziehung zwischen diesen beiden Texten folgt diesem Artikel.xxxiii
Osiris-Abel Nun zu einer Illustration eine semitischen Anpassung einer ägyptischen Quelle, die spezifischere Bedeutung für das Buch Abraham hat. Eine Anzahl von HLT-Gelehrten hat die Parallelen zwischen dem Buch Abraham auf der einen Seite und sowohl dem Testament Abrahams als auch der Apokalypse Abrahams auf der anderen Seite besprochen. Es ist nicht meine Absicht, diese Parallelen wieder aufzusuchen. Stattdessen möchte ich mich hier auf eine spezielle Szene aus dem Testament Abrahams und später auf einen besonderen Aspekt der Apokalypse Abrahams konzentrieren. Zunächst ist eine kurze Einführung in das Testament am Platze. Das Testament Abrahams wurde wahrscheinlich in Griechischxxxiv verfasst und stammt höchstwahrscheinlich aus dem Ägyptenxxxv des ersten Jahrhunderts n.Chr.xxxvi Der Text ist in zwei Hauptversionen vorhanden, von denen die längere Version A und die Kürzere Version B genannt wird. Beide Versionen existieren in einer handvoll griechischer Manuskripte und in einer rumänischen Version. Version Bxxxvii existiert auch in altslawischen, koptischen, arabischen und äthiopischen Versionen. Das Testament Abrahams berichtet die Geschichte davon, dass Gott, als Abraham das volle Maß seiner irdischen Existenz durchlebt hatte, den Erzengel Michael, seinen „Oberkommandierenden“xxxviii, sandte, um Abraham über seinen Tod zu unterrichten, damit er seine Angelegenheiten regeln konnte. Abraham weigert sich jedoch Michael zu folgen und wünscht sich stattdessen eine Rundreise durch die ganze bewohnte Welt bevor er stirbt. Michael und Abraham betrachten sich die Welt aus einem göttlichen Wagen, und immer wenn Abraham jemanden beim Sündigen sieht, verlangt er, dass der Sünder niedergestreckt werden soll. Gott macht schließlich der Rundreise ein Ende, denn seine eigene Vorgehensweise ist, mit Sündern Geduld zu haben, damit ihnen eine Gelegenheit gegeben wird umzukehren. Abraham wird dann das Gericht gezeigt, und das ist die Szene, die wir weiter unten noch genauer betrachten werden. Abraham kehrt von seiner Unduldsamkeit um und die Sünder, die auf sein Verlangen niedergestreckt worden waren, werden wieder ins Leben zurückgerufen. Abraham lehnt es aber immer noch ab, Michael zu folgen. Daher sendet Gott den Tod, der durch Betrug Abrahams Seele dazu bewegt, ihn zu begleiten, woraufhin er in die Gegenwart Gottes zurückkehrt.xxxix Für unseren Zweck ist die wesentliche Szene die Gerichtsszene. Wie in Version A berichtet wird, sieht Abraham zwei feurige Engel, die Myriaden von Seelen zum Gericht hintreiben. Der Gerichtssaal liegt zwischen einem engen Tor für den Gebrauch durch die rechtschaffenen Seelen und einem breiten Tor für den Gebrauch durch die bösen. Im Gerichtssaal gibt es einen beängstigenden Thron und auf dem Thron sitzt ein wunderbarer Mann, der erscheint wie ein Sohn Gottes. Vor diesem Wesen befindet sich ein Tisch wie ein Kristall, bedeckt mit Gold und feinem Leinen. Auf dem Tisch ruht ein Buch. An jeder Seite des Tisches sind Engel, die Papyrus und Tinte bereithalten. Vor dem Tisch steht ein lichttragender Engel, der eine Waage hält und an seiner Linken ist ein feuriger Engel, der eine Trompete voll Feuer hält. Der Mann auf dem Thron richtet die Seelen. Die beiden Engel mit Papyrus führen Bericht. Der eine auf der rechten Seite zeichnet die rechtschaffen Taten des Verstorbenen auf und der auf der Linken seine Sünden. Der Engel mit der Waage wiegt die Seelen und der feurige Engel prüft sie dann mit Feuer. Michael informiert Abraham, dass diese Szene Gericht und Wiedergutmachung darstellt. Abraham fragt Michael wer all diese Personen im einzelnen sind und wird informiert, dass der Richter auf dem Thron Abel ist, der die Menschen bis zur Parusie (dem zweiten Kommen) richtet. Bei der Parusie muss jedermann durch die zwölf Stämme Israels gerichtet werden und schließlich wird Gott selbst alle Menschen richten, so dass das Gericht auf drei Zeugen beruht. Michael sagt Abraham, dass die Engel rechts und links die rechtschaffenen Taten und die Sünden aufschreiben. Der sonnenähnliche (ηλιμορφο heliomorphos) Engel, der die Waage hält, ist der Erzengel Dokiel,xl der rechtschaffene Waagen-Träger, der die rechtschaffen Taten und die Sünden abwiegt. Der feurige Engel, der die Werke der Menschen mit Feuer prüft, ist der Erzengel Pouruel.xli Alles wird sowohl durch Feuer als auch durch die Waage geprüft. In der kürzeren Version B, in der die meisten dieser Einzelheiten fehlen, gibt es nur einen Berichtsführer, der als Enoch identifiziert wird. Diese Szene ist bedeutsam, da sie weithin als von einem ägyptischen Psychostase (Seelenwägen) Papyrus mit Bezug auf Kapitel 125 im Buch der Toten beeinflusst anerkannt wird.xlii Es kann sogar sein, dass der Autor in einem solchen Psychostase Papyrus las, als er diesen Bericht niederschrieb. Wenn es auch eine klare Beziehung zwischen der ägyptischen Psychostaseszene und der Gerichtsszene im Testament Abrahams gibt, so wurde die Szene doch in Übereinstimmung mit semitischen Bedürfnissen und Befindlichkeiten umgewandelt. Osiris wurde zu Abel, die ägyptischen Götter wurden zu Engeln. Unser Autor betrachtet die ägyptische Illustration, sieht aber eine Szene, die von semitischen Persönlichkeiten bevölkert wird. Ich nehme an, diese Szene errichtet ein Paradigma, nach dem man die Faksimiles zum Buch Abraham verstehen kann. Was die Vignette aus Kapitel 125 des Totenbuches für das Testament Abrahams ist, das sind die Faksimiles für das Buch Abraham. Dieses Paradigma kann meiner Meinung nach am besten durch eine Allegorie erfasst werden. Stellen wir uns vor, dass Joseph Smith an Stelle des Buches Abraham ein Buch mit dem Titel das Testament Abrahams übersetzt hätte, das ungefähr dem Testament Abrahams entspricht, wie wir es kennen. Stellen wir uns weiter vor, dass das Testament zwar authentisch ist und aus der Antike stammt, bisher aber keine Papyruskopie davon entdeckt worden wäre. Daher nehmen es die Heiligen der Letzten Tage aufgrund des Glaubens an und die Kritiker lehnen es als Fantasie ab. Nehmen wir an, Joseph hätte zusammen mit dem Text des Testaments ein Faksimile eines ägyptischen Psychostase Papyrus als Illustration der Gerichtsszene veröffentlicht. Wir werden dies der Einfachheit halbe „Faksimile P“ (wie Psychostase) nennen. (Dieses Faksimile schaut so ähnlich aus wie der Psychostase-Papyrus aus der Joseph Smith Sammlung Papyrus III) Nehmen wir nun an, Joseph hätte zusammen mit Faksimile P gewisse Erklärungen nummerierter Figuren im Faksimile veröffentlicht. Ohne zu versuchen, den vollen Text wiederzugeben, den seine Erklärungen gehabt hätten, ist hier der wesentliche Kern davon:
Nach der Veröffentlichung dieses Testamentes vergehen mehrere Jahre, dann übergibt Franklin Spalding Faksimile P zusammen mit den obigen Erklärungen einer Gruppe Ägyptologen. Prompt erklären die Ägyptologen die Erklärungen als Schrott.xliii Die Ägyptologen lehnen es sogar ab, Joseph Smith dort einen Glückstreffer zuzubilligen, wo seine Erklärung ihren ägyptischen Gegenstücken am nächsten kommt, Figuren 2 und 7. Diese Ägyptologen machen klar, dass Figur 1 Osiris darstellt und nicht Abel. In Figur 3 ist der Name Dokiel eindeutig nicht ägyptisch und die Figur stellt den ägyptischen Gott Anubis dar. In Figur 4 ist nicht nur der Name Purouel kein ägyptischer Name, sondern scheint eine ungeschickte Verschmelzung von Hebräisch und Griechisch zu sein. Das zeigt, dass nur ein unwissender Gauner wie dieser Kerl Joseph Smith ihn geprägt haben kann. Die Figur stellt tatsächlich den ägyptischen Gott Horus dar. Figur 5 stellt nicht den biblischen Enoch dar, sondern vielmehr den ägyptischen Gott Thoth und Figur 6 ist nicht der Engel des Herrn, sondern die ägyptische Göttin Maat. Die Heiligen in dieser hypothetischen Situation sind fassungslos durch diese Eröffnung und ringen um Antworten. Eine große Diskussion ist die Folge, die aber nicht zu schlüssigen Ergebnissen führt. Im Laufe der Zeit behaupten Verteidiger der Kirche, dass die Erklärungen „im allgemeinen“ mit ägyptologischem Verständnis im Einklang seien, während Kritiker jeden Zufallstreffer von sich weisen und die Erklärungen Josephs als völlig unrichtig und erfunden abtun. Und so steht die Lage. Nun, aus unserer Position außerhalb dieser Hypothese können wir sehen, dass die Leute Faksimile P so betrachten, also ob sie in Platons Höhle wären und nur bloße Schatten an der Wand erkennen könnten. Von unserer Position aus können wir aber erkennen, dass die Erklärungen Josephs völlig richtig sind. Auch die Ägyptologen haben recht, doch nur bezüglich der Bedeutung des Faksimile in seinem ägyptischen Zusammenhang. Faksimile P hat aber noch einen anderen, einen semitischen Zusammenhang als Illustration des Testaments Abrahams. Wenn man es in diesem Licht betrachtet, wird die Plausibilität der Erklärungen Josephs deutlich. Sollte in dieser hypothetischen Situation ein Manuskript des Testaments zufällig entdeckt werden, dann wäre das Geheimnis vollständig gelüftet und die Menschen wären so wie wir in der Lage, klar zu sehen, welchen Bezug die Erklärungen Josephs wirklich zum Faksimile hat. Aus dieser Allegorie können wir sehen, warum es wichtig ist, weiterhin den ägyptischen Hintergrund der Faksimiles zu studieren. Wir haben keinerlei Möglichkeit zu wissen, in welchem Ausmaß J-red die Verwendung der Faksimiles auf ihre ägyptische Bedeutung stützte. Nur durch sorgfältiges Studium des ägyptischen Zusammenhangs der Faksimiles können wir ermitteln, wie viel ägyptischer Inhalt in den Erklärungen zu finden ist. Der Grund, aus dem Gelehrte in der Lage sind, den ägyptischen Einfluss in der Psychostase-Szene des Testaments Abrahams zu erkennen liegt darin, dass genügend ägyptische Elemente vorhanden sind, um den Vergleich zu ziehen. Wir können aber auch sehen, warum ein alleiniges Studium des ägyptischen Zusammenhangs der Faksimiles niemals eine vollständige Erklärung der Bedeutung der Interpretationen Josephs liefern kann. Wir müssen im Stande sein sie anzuschauen, wie es J-red getan hat, als er die Illustrationen des Buches Abraham semitisierte. Wenn wir sie aus diesem Blickwinkel betrachten, wird unsere Sicht klarer und die Faksimiles und Josephs Erklärungen rücken ins Blickfeld.
Osiris-Abraham Ein weiteres Beispiel dafür, wie ägyptisches Material durch eine semitische Linse gebrochen wird, liefert uns die Geschichte vom reichen Mann und von Lazarus, die in Lukas 16:19-31 erzählt wird: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, sodass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht. In seiner wichtigen Studie dieser Passage, nimmt Hugo Gressmannxliv an, dass der Bericht des Lukas auf einer volkstümlichen Version einer ägyptischen Geschichte vielleicht in Hebräisch geschrieben beruht. Weder das ägyptische Original noch die jüdische Version sind erhalten geblieben, doch kann ihre Existenz aus anderen Dokumenten, die noch existieren, geschlossen werden. Auf die volkstümliche jüdische Version kann man aus sieben spätrabbinischen Splittern schließen. Diese Texte gehen mit größter Sicherheit nicht direkt auf das Evangelium des Lukas zurück. Auf das ägyptische Original schließt man aufgrund der demotischen Geschichte von Setna,xlv die unten beschrieben wird. Wenn wir einen genealogischen Vergleich heranziehen, um die Beziehung zwischen diesen Dokumenten darzustellen, ist das ägyptische Original wie ein Großvater und die volkstümliche jüdische Version ist der Vater des Berichtes von Lukas. Die Geschichte von Setna ist eine Art Onkel des Lukasberichtes und die sieben rabbinischen Splitter sind eine Art Nichten und Neffen. Die demotische Erzählung von Setna kennt man von einem einzigen Papyrusfragment im Britischen Museum (Pap. DCIV).xlvi Sie wurde auf die Rückseite von zwei griechischen Geschäftsdokumenten geschrieben, von denen eines auf das siebte Jahr des Claudius datiert ist (46-47 n- Chr.). Daraus können wir annehmen, dass die demotische Erzählung irgendwann während des nächsten halben Jahrhunderts, grob geschätzt also zwischen 50 und 100 n. Chr. geschrieben wurde. Nach dieser Geschichte wurden die Ägyptischen Magier von einem äthiopischen Zauberer herausgefordert, doch kein Ägypter konnte den Herausforderer übertreffen. Daher bat ein Ägypter in Amnte, dem Reich der Toten, in der Gegenwart von Osiris, dem Herrscher von Amnte, ins Land der Lebenden zurückzukehren. Osirs gebot ihm das zu tun. Daher wurde der Mann, obwohl er schon seit Jahrhunderten tot war, als der wundersame Sprössling eines kinderlosen Paares wiedergeboren und erhielt den Namen Si-Osiris (Sohn des Osiris). Als der Junge zwölf wurde, nahm er sich den Zauberer vor und verschwand dann von der Erde. Der Teil der Erzählung, der für Lukas 16 bedeutsam ist, fand statt während der Junge aufwuchs. Eines Tages sehen der Junge und sein Vater zwei Begräbnisse: Zuerst das eines reichen Mannes, gehüllt in feines Tuch, laut beklagt und reich geehrt. Dann das Begräbnis eines Armen, in eine Strohmatte gehüllt, unbegleitet und unbeklagt. Der Vater sagt, das Los des Reichen wäre ihm lieber als das des Bettlers. Der Kleine Si-Osiris jedoch widerspricht dem Wunsch seines Vaters frech und wünscht ihm gerade das Gegenteil: „Möge es dir in Amnte ergehen wie es diesem Bettler in Amnte ergeht und nicht so wie es diesem Reichen in Amnte ergeht.!“ Um sich zu rechtfertigen, nimmt der Junge seinen irdischen Vater auf einen Besuch nach Amnte mit. Si-Osiris führt seinen Vater durch die sieben klassifizierten Säle von Amnte. Die Toten werden je nach ihren Verdiensten und ihrer Schuld im Erdenleben einem der Säle zugewiesen. Im fünften Saal sehen sie einen Mann voller Qual, in dessen rechter Augenhöhle die Türangel befestigt ist und der deshalb voller Pein klagt. Im siebenten Saal sehen sie Osiris, den Herrscher von Amnte auf seinem Thron und neben ihm einen fein gekleideten Mann von offensichtlich hohem Rang. Si-Osiris gibt den fein gekleideten Mann als den so elend begrabenen Bettler zu erkennen und den gefolterten als den prächtig begrabenen Reichen. Der Grund für diese ungleiche Behandlung liegt darin, dass beim Gericht die guten Taten des Bettlers seine schlechten überwogen, während beim Reichen das Gegenteil der Fall war. Nun kann der Vater den Wunsch seines Sohnes Si-Osiris verstehen. Wieder können wir sehen, wie die ägyptische Erzählung ein semitisches Kleid erhalten hat. Die Engel bei Lukas scheinen ein funktioneller Ersatz für Horus (oder den Falken des Horus)xlvii zu sein. Der „Schoß Abrahams“ stellt Amnte, das ägyptische Totenreich, dar Und, am bemerkenswertesten, Abraham ist ein jüdischer Ersatz für den heidnischen Gott Osiris, genauso wie in den Faksimiles 1 und 3. Diese Beziehungen werden in einer Tabelle am Ende des Artikels zusammengefasst. Der Hypocephalus in der Apokalypse des Abraham Eine Art Begleittext zu Abrahams Testament ist die Apokalypse Abrahams. Wie das Testament datiert die Apokalypse aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert n.Chr. Sie erzählt die Geschichte, wie Abraham in seiner Jugend erkannte, dass Götzen einfach Schöpfungen von Menschen sind und keine wirklichen Götter. Nachdem er sein Vaterhaus verlassen hat, wird Abraham geboten, ein Opfer darzubringen, damit ihm Gott große Dinge offenbaren wird. Gott sendet seinen Engel Iaoel,xlviii der Abraham durch den Himmel führen soll, wo er sieben Visionen hat. Der Text ist nur in einer Anzahl mittelalterlicher altslawischer Manuskripte vorhanden. Gelehrte haben aber aus dem Vorhandensein von hebräischen Namen, Wörtern und Phrasen und anderen Hebraismen (wie die Verwendung des Positivs für den Komparativ) geschlossen, dass der Text höchstwahrscheinlich ursprünglich in Hebräisch verfasst wurde, in welchem Fall der Text wahrscheinlich aus Palästina stammt.xlix Michael Rhodes beschreibt etwas, das eine mögliche Anspielung auf einen Hypocephalus in der Apokalypse Abrahams zu sein scheint.l Während seiner Vision wird Abraham die „Fülle der ganzen Welt und ihres Umkreises gezeigt“, was die Beschreibung eines Hypocephalus zu sein scheint. Diese Vision schließt den Plan des Universums ein: „Was in den Himmeln ist, auf der Erde, im Meer und im Abgrund.“ Das kommt den Worten, die im Mittelteil des Hypocephalus von Joseph Smith benutzt werden, sehr nahe. Die Apokalypse enthält auch die Beschreibung von vier feurigen Wesen, jedes mit vier Gesichtern: dem eines Löwen, eines Menschen, eines Ochsen und eines Adlers. Das ist fast sicher eine semitische Umwandlung der Söhne des Horus (siehe Ezechiel 1-2), die als Figur 6 von Faksimile 2 dargestellt werden.li Diese Beziehungen werden ebenfalls in einer Tabelle am Ende des Artikels zusammengefasst. Der wiedererstandene Spalding Nachdem wir diese Sichtweise der Faksimiles des Buches Abraham zum Ausdruck gebracht haben, sind wir nun in der Lage, die Sichtweisen, die Stephen Thompson in seinem Artikel mit dem Titel „Ägyptologie und das Buch Abraham“lii darlegt, zu vergleichen und ihnen etwas entgegenzusetzen. Im wesentlichen ist Thompsons Artikel eine auf neuen Stand gebrachte und besser durchdachte Version des Berichtes der Ägyptologen, wie er in Spaldings Traktat steht. Ich glaube, dass es nötig war, dass jemand versuchte, das was zeitgenössische Ägyptologen aus den Faksimiles machen, klar darzustellen. Thompsons Artikel erfüllt diesen Zweck und bringt so die Sache der Wahrheit wesentlich vorwärts. Thompson zitiert Michael Rhodes, dass „die Erklärungen von jedem der Faksimiles durch Joseph Smith mit dem gegenwärtigen Verständnis ägyptischer Religionsausübung im Einklang sind.“liii Thompsons Aufgabe besteht darin zu beweisen, dass diese Behauptung unwahr ist. In der Tat stimme ich mit Thompson überein, dass die Behauptung ohne Spezifizierung zu weit gefasst ist. Leider fehlt Thompson jeder Sinn für das rechte Maß und seine eigene Behandlung der Faksimiles ist außerordentlich engstirnig. Zum Beispiel lässt Thompson die Erklärung Josephs, dass die vier Söhne des Horus in Faksimile 2, Figur 6 „unsere Erde mit ihren vier Enden“ darstellt, nicht gelten. Das tut er auf der Grundlage, dass die Söhne des Horus im Zusammenhang mit Begräbnissen nie diese Bedeutung haben.liv Ich finde das einfach eine erstaunlich einschränkende Lesart.lv Es fällt mir schwer zu sehen, wie Thompson es ablehnen kann, Joseph auch teilweise Anerkennung für diese Erklärung zu zollen. Jedenfalls würde ich verneinen, dass der Joseph Smith Hypocephalus, wie er von J-red neu interpretiert wurde, überhaupt im Zusammenhang mit Beerdigungen steht. Daher ist Thompsons Lesart für mich fraglich. Thompson gibt den ägyptischen Zusammenhang für Faksimile 1 , Figur 11 und 12 wieder. Figur 12, die Joseph bezeichnete mit: „Dazu bestimmt, die Säulen des Himmels darzustellen, wie die Ägypter sie verstanden.“, ist in Wahrheit eine Palastfassade, die serekh genannt wird.lvi Figur 11 die bei Joseph: „Raqia, das bedeutet Weite oder das Gewölbe hoch über unserem Haupt; in diesem Fall aber auf den vorliegenden Gegenstand bezogen, wollten die Ägypter es als Schama verstanden wissen, hoch sein oder die Himmel, dem hebräischen Wort Schamajim entsprechend“, bedeutet, ist einfach das Gewässer, in dem die Krokodile schwimmen, die Horus darstellen. Das Gewässer scheint über der Palastfassade zu sein, doch das ist nur eine Illusion, die von der Perspektive herrührt, die die Ägypter in ihrer Kunst verwendeten. Alles oberhalb der Fassade muss als dahinterliegend verstanden werden. Wenn das auch eine nützliche Zusammenfassung des ägyptischen Zusammenhangs dieser Figuren ist, so nimmt sich das doch nicht dessen an, was ich als die wesentliche Frage betrachte: „Ergeben die Erklärungen Josephs eine Sinn im Hinblick darauf, dass sie das Verständnis von J-red für diese Szene wiedergeben?“ Ich glaube, die Antwort auf diese Frage ist ein sehr deutliches Ja. In der hebräischen Kosmologie wurde geglaubt, raquia' oder das Firmament sei eine feste Kuppel, die auf Säulen ruht.lvii Raquia stand in engem Zusammenhang mit dem himmlischen Ozean, den es stützte. In der unteren Hälfte von Faksimile 1 haben wir raquia' (1) verbunden mit dem Gewässer als himmlischer Ozean (2), der von Säulen unterstützt scheint und das (3) fest istlviii und so als Grundlage für das Löwenbett dienen kann. Die untere Hälfte von Faksimile 1 hätte für J-red sehr wie ein Mikrokosmos des Universums ausgesehen. Das ist ganz ähnlich wie der göttliche Thronwagen aus Ezechiel 1-2 ein Mikrokosmos des Universums ist, der die vier viergesichtigen Lebewesen darstellt mit dem Raquia' über ihren Köpfen, worauf Gott auf seinem Thron sitzt.. Die Perspektive des ägyptischen Künstlers stellt für J-red nicht notwendigerweise eine Einschränkung dar. Der aufgeschichtete Effekt des Wassers, das sowohl unterstützt wird als auch selbst eine Unterstützung darstellt, hätte J-red an das hebräische Konzept des Raquia' denken lassen. Joseph nahm auch in Faksimile 2, Figur 4 (den mumienförmigen Falken mit ausgebreiteten Schwingen in einem Boot) als eine Darstellung des Raquia', „die Figur entspricht dem hebräischen Wort Raqia, was Weite oder das Gewölbe des Himmels bedeutet; auch ein Zahlensymbol, das auf ägyptisch eintausend bedeutet;“ Das Buch Abraham verwendet zwei alternative englische Wörter um Raquia'zu übersetzen: Firmament, was seine Festigkeit betont (Anm. Des Übers. „firm“ ist ein englisches Wort für „fest, standfest“) Und Ausdehnung (engl expanse), das vom lateinischen expandere, „ausbreiten“ abgeleitet ist. Diese Übersetzung betont das zugrunde liegende Verb raquia'. Das bedeutet „ausbreiten (mittels schlagen)“, und von daher einfach „ausbreiten“. Ich nehme an, dass die ausgebreiteten Schwingen des mumienförmigen Falken für J-red eine ganz natürliche Darstellung von rq' waren.lix Im Mittelteil seines Artikels argumentiert Thompson gegen die Möglichkeit, dass das Buch Abraham ein holografisches Dokument ist. Vorausgesetzt, dass Abraham in der mittleren Bronzezeit lebte und dass die Joseph-Smith-Papyri aus ptolemäischen oder römischen Zeiten stammen, hat Thompson in diesem Punkt ganz gewiss recht. Er zitiert Paul Hoskisson, der in einem ansonsten ausgezeichneten Artikel schreibt, dass „der Inhalt des Buches Abraham nicht durch zahlreiche Überarbeitungen und die Hände zahlloser Schreiber gegangen ist.“lx Diese Behauptung scheint auf der Annahme zu beruhen, dass die Quelle für das Buch Abraham ein autografisches Original gewesen wäre. Im Gegensatz zu Hoskisson habe ich oben zum Ausdruck gebracht, dass ich es für wahrscheinlich halte, dass das Buch Arbaham im Altertum textliche Übertragungen durchlief. Als konkretes Beispiel verstehe ich den Querverweis auf Faksimile 1 in Abraham 1:12 b und 14 als Anmerkungen, die erst zu der Zeit ans Buch Abraham angefügt wurden, als es erstmalig an eine Rolle gefügt wurde, die ein Buch des Atmens enthielt, falls es wirklich so war.lxi Thomson will diese Möglichkeit nicht zulassen, dass das Fürwort „Ich“(damit ihr Kenntnis habt von diesem Altar, will ich euch auf die Darstellung zu Beginn dieses Berichts verweisen) seiner Meinung nach von Abraham geschrieben worden sein muss.lxii Dass Thompson darauf besteht, ist bestenfalls naiv. Ganz sicher wird keiner, der mit wissenschaftlicher Textkritik bezüglich Überarbeitungen der Bibel vertraut ist, den Willen eines antiken Schreibers bezweifeln, eine solche Klarstellung so zu formulieren, als ob sie aus der Sicht eines alten Propheten wäre. Wenn man diese Querverweise löschen würde, würde man dem Fluss und Sinn des Textes nicht nur keinen Schaden tun, sondern sie sogar verbessern. Thompson zieht drei Schlüsse, die den drei Teilen seines Artikels entsprechen. Erstens schließt er, dass die Interpretation der Faksimiles durch Joseph mit der Bedeutung dieser Figuren in ihrem ursprünglichen Zusammenhang, dem Begräbnis, nicht übereinstimmt. Mit dieser Behauptung stimme ich bis zu einem gewissen Grad überein, obwohl ich nicht gänzlich mit dem einverstanden sein kann, was ich als Thompsons unangemessen einschränkende Behandlung der Beweise betrachte. Zweitens schließt er, dass Anachronismen im Text des Buches Abraham es unmöglich machen, dass es aus einem Text von Abrahams eigener Hand übersetzt wurde (d.h. ohne antike Abänderung). Auf Grundlage der Datierung der Papyri würde ich sagen, dass der Quelltext kein holografisches Original war. Drittens schließt Thompson, dass nach allem, was wir über die Beziehungen zwischen Ägypten und Asien wissen, der Bericht über die versuchte Opferung von Abraham unplausibel wird. Obwohl dieser dritte Schluss über den Rahmen dieses Artikels hinausgeht, bin ich damit nicht einverstanden. Ich sehe, dass der in der Geschichte beschrieben Kult nicht ägyptisch ist, sondern Syro-Palästinisch.lxiii Schlussfolgerungen Wir haben einen Überblick über die Geschichte der Kritik der Faksimiles gegeben beginnend mit dem Traktat von Spalding. Wir waren mit den frühen Untersuchern aus dem Traktat einer Meinung darin, die autografische Annahme zu verwerfen. Wir zeigten wie die Faksimiles sowohl einen ägyptischen als auch einen semitischen Zusammenhang haben können und wie sich Josephs Erklärungen großteils auf den semitischen Kontext der Figuren als Illustrationen für das Buch Abraham beziehen können.lxiv In kurzem Überblick über Thompsons Auffrischung des Traktates von Spalding, stimmten wir zu, dass die Interpretationen Josephs nicht den vollen ursprünglichen Begräbniszusammenhang der Faksimiles wiedergeben und waren auch damit einverstanden, dass die Papyruskopien, die in Josephs Besitz kamen, keine abrahamischen Holografen waren. (Wir waren jedoch nicht mit der Annahme Thompsons einverstanden, dass der Kult in Abraham 1 notwendigerweise vorwiegend ägyptischer Natur gewesen sein muss). Wenn wir über die Bedeutung der in diesem Papier zum Ausdruck gebrachten Theorie sprechen, wollen wir sie der Einfachheit halber die Theorie der „semitischen Anpassung“ nennen. Was sind die Nachteile, wenn man die semitische Angleichung annimmt? Ich kann nur sehr wenige sehen. Diese Theorie beinhaltet die Zurückweisung der autografischen Annahme, an der einige Heilige als traditionellem Verständnis gerne festhalten möchten. Mir scheint jedoch, dass der frühe Zeitpunkt Abrahams in der mittleren Bronzezeit zusammen mit der Herkunft der Papyri aus der ptolemäischen oder einer späteren Zeit die Ablehnung der autografischen Annahme auf alle Fälle nötig macht. Die einzige Möglichkeit, diese Annahme zu retten besteht darin anzunehmen, dass Nibley, Gee und die nicht HLT Ägyptologen, die die Frage untersucht haben, in ihrer Datierung der Papyri falsch liegen oder anzunehmen, dass die Quelle für das Buch Abraham nicht auf der Schriftrolle war, die die Faksimiles 1 und 3 enthielt (da diese Rolle datiert wurde) und das jene andere Rolle 4000 Jahre alt war, trotzdem die anderen Papyri im Versteck nur etwa 2200 Jahre alt waren. Ich würde jeglichen solchen Versuch, die autographische Annahme zu retten, zurückweisen. Da ein Festhalten an der autographischen Annahme meiner Beurteilung nach keine ernsthafte Alternative darstellt, ist der einzige sonst noch mögliche Grund zur Sorge, den ich sehen kann, dass die Theorie der semitischen Anpassung eine Übertagung des Textes in alter Zeit einschließlich einer Bearbeitung verlangt. Ich kann den Wunsch einiger verstehen, die gerne einen Text, der zu Joseph kam, als direkt von Abrahams Hand stammend unbefleckt von der Hand eines Schreibers sehen möchten. Doch wenn wir nicht entweder die Papyri in die mittlere Bronzezeit datieren können oder Abraham in die ptolemäische Zeit, und weder das eine noch das andere wird je geschehen, dann sind wir wohl gezwungen anzuerkennen, dass mindestens eine Kopie des ursprünglichen Textes Abrahams gemacht wurde. Und wenn wir einmal anerkennen, dass der Text kopiert wurde und dass ein Zeitraum von rund 1700 Jahren zwischen Abrahams Original und der späten Kopie liegen, so scheint mir, dass wir auch gezwungen sind, die sehr reale Möglichkeit einer Übertragung des Textes in der Antike anzunehmen. Hier könnte ein Vergleich mit dem Buch Mormon lehrreich sein. Die Goldplatten blieben von menschlicher Hand unberührt seit sie Moroni im 5. Jahrhundert n. Chr. in einer Steinkiste verwahrt hatte, bis sie Joseph 1827 aus dem Versteck entnahm. Vor dieser Zeit jedoch erfuhren die Berichte des Buches Mormon einen ausgeprägten Bearbeitungsprozess von den Händen Mormons und Moronis. Ähnlich lag die Papyrusquelle für das Buch Abraham unberührt seit der Zeit, als sie im Grab während der griechisch-römischen Zeit verwahrt wurden, bis sie Lebolo entnahm.. Vor dieser Zeit aber war sie bei den Leuten im Umlauf und war den normalen Übertragungsprozessen unterworfen. Mein hypothetischer Bearbeiter J-red war in Bezug auf das Buch Abraham im wesentlichen in der selben Situation wie Mormon in Bezug auf das Buch Mormon. Der Unterschied ist, dass wir von Mormon und seinem Einfluss auf den Text wissen, während J-red hypothetisch ist und wir nicht wissen, wer er war. In dieser Hinsicht ähnelt das Buch Abraham mehr der Bibel, die ganz sicher Bearbeitungsprozesse durch namenlose Bearbeiter durchlaufen hat, auch dann, wenn man die großen Bearbeitungstheorien wie die Dokumentenhypothese, die mehrfache Autorschaft des Buches Jesaja oder die Existenz von Q verwirft. Doch die Tatsache, dass die Bibel solche Prozesse durchlaufen hat, mindert nicht unsere Fähigkeit, sie als Heilige Schrift anzuerkennen. Im Falle des Buches Abraham sollte jedes ungute Gefühl beim Gedanken an die Auswirkungen eines unbekannten Bearbeiters auf den Text aufhören, wenn man bedenkt, dass es von einem heutigen Propheten übersetzt und hervorgebracht wurde. Meiner Meinung nach sind die Nachteile der Theorie der semitischen Anpassung zu vernachlässigen, während ihr Vorteil wesentlich ist. Man beachte im besonderen das Folgende: 1. Auf der Grundlage unseres heutigen Wissens scheinen die Faksimiles Vignetten zu sein, die auf eine Zeit der ägyptischen Geschichte zu datieren sein sollten, die wesentlich, nämlich mehr als ein Jahrtausend, von der Zeit Abrahams entfernt liegt. Es gibt also einen inneren Datierungsanachronismus, wenn man die Faksimiles Abraham zuschreibt. Das traditionelle Argument würde glauben machen, dass Abraham diese Vignetten schuf und dass über tausend Jahre später die Ägypter begannen, Abrahams Schöpfung für ihre eigenen religiösen Zwecke anzupassen. Die Theorie der semitischen Anpassung löst dieses Problem, indem sie durch die Annahme getrennter Herkunft des Textes und der Faksimiles des Buches Abraham den Fluss der Anpassung in die andere Richtung erlaubt. 2. Das Ausmaß, in dem die Erklärung der Faksimiles durch Joseph Smith mit dem gegenwärtigen ägyptologischen Wissen im Einklang ist, wird diskutiert. Im allgemeinen stehen Nicht-HLT Ägyptologen, die die Frage untersucht haben, auf dem Standpunkt, dass die Erklärungen völlig falsch sind oder dass sie, vielleicht mit Ausnahme einiger glücklicher Zufälle, überwiegend falsch sind. Verständlicherweise sind HLT-Gelehrte in die andere Richtung vorgedrungen und haben Möglichkeiten zum Ausdruck gebracht, wie die Erklärungen als im Einklang mit ägyptologischem Verständnis gesehen werden können. Als treuer Heiliger der Letzten Tage stehe ich gefühlsmäßig natürlich auf Seiten der Beobachtungen dieser HLT-Gelehrten. Wenn man aber auch solche Bemühungen ins beste Licht rückt, bleiben doch wesentliche Unstimmigkeiten zwischen ihren Erklärungen und jenen der Ägyptologen. Die Theorie der semitischen Anpassung erklärt vollständig, warum es solche Unstimmigkeiten gibt. Nach dieser Theorie sind die Ägyptologen nicht mehr die endgültigen Schiedsrichter über die Richtigkeit der Erklärungen der Faksimiles. 3. Ein beträchtlicher Teil der Debatte über die Faksimiles drehte sich darum, ob sie unrichtig restauriert worden sind. Wenn ich auch erwarte, dass diese Diskussionen weitergehen werden, lässt die Theorie der semitischen Anpassung die Frage wenig bedeutsam erscheinen. Auch wenn der Priester zur Linken auf Faksimile 1 die Schakalmaske Anubis trüge und nicht ein Messer in seiner Hand hielte, wäre es für J-red immer noch ganz natürlich, die Szene als die versuchte Opferung von Abraham zu sehen. Daher werden im Rahmen dieser Theorie die Einzelheiten der Rekonstruktion der Faksimiles weitgehend unwesentlich im Hinblick auf die Erklärungen der Figuren. 4. Ich glaube, dass die Theorie der semitischen Anpassung die Fähigkeit hat, die Theorie des „fehlenden Papyrus“ auf eine solidere Grundlage zu stellen. John Gee hat vorgeschlagen, dass es noch einen weiteren Text auf der Rolle, die das Buch des Atmens enthielt, gegeben haben könnte. Die Theorie der semitischen Anpassung erklärt, warum der Text des Buches Abraham an ein Buch des Atmens angehängt worden sein könnte: Weil J-red beabsichtigte, die Vignetten des Buches des Atmens als Illustrationen für seinen Text , das Buch Abraham, anzupassen. Diese Platzierung des Textes würde auch erklären, warum die Querverweise auf Faksimile 1 als „am Anfang dieses Berichtes und als „am Beginn“ (was sich auf den Anfang der Schriftrolle bezog und nicht auf den Beginn des Buches) missverstanden worden sein könnte. Das veranlasste wohl auch jene, die an der Erstellung der Kirtland Egyptian Papers beteiligt waren, bei ihrem Versuch, die ägyptische Sprache mit Hilfe des Buches Abraham zu entschlüsseln, mit dem Buch des Atmens am Anfang der Rolle zu beginnen. 5. Die Theorie der semitischen Anpassung lässt eine antike Übertragung des Textes zu und nimmt so das Buch Abraham als ein antikes Buch ernst. Dass ein 4000 Jahre alter Papyrus in einem Versteck von 2200 Jahre alten Papyri zu finden sein soll, ist eine äußerst schwierig zu akzeptierende Annahme. Einige geben zu, dass die Papyrusquelle für das Buch Abraham eine Kopie war und weisen somit zumindest der Form nach die autografischen Annahmen zurück, werden aber dennoch weiterhin durch diese beeinflusst. Sie scheinen daher zu wünschen, dass das Original Abrahams mit Pinsel und Tusche auf Papyrus in hieratischem Ägyptisch abgefasst wurde, zusammen mit den Faksimiles. Diese Papyri blieben dann die nächsten mehr als 1500 Jahre unberührt, bis sie schließlich ein einziges Mal kopiert wurden und die Kopien wurden in einem Grab in Theben deponiert. Das ist kein realistisches Bild der Geschichte des Textes. Meiner Ansicht nach ist die Annahme einer Übertragung des Textes (einschließlich abschreiben, übersetzen und bearbeiten) ein realistischeres Mittel, um den Text aus der mittleren Bronzezeit von einem semitischen Abraham, der nicht ägyptischer Herkunft war, zu einem ägyptischen Papyrus der ptolemäischen Zeit zu bringen. 6. Thompson weist auf eine Anzahl von Anachronismen bezüglich der Zeit Abrahams im Buch Abraham hin. Wie die Dinge stehen, haben wir wohl drei Wahlmöglichkeiten, wenn wir auf einen angeblichen Anachronismus stoßen: (a) leugnen dass es einen Anachronismus gibt und annehmen, dass die aufgezeigte Eigenschaft wirklich auf die mittlere Bronzezeit zurückgeht, auch wenn sie in einer erhaltenen Quelle nicht bezeugt ist; (b) den Anachronismus anerkennen, ihn aber Joseph Smith zuordnen als einen Anachronismus durch das Übersetzen, was das Buch Abraham als Übersetzung einer antiken Quelle an und für sich nicht beeinträchtigt; oder (c) den Anachronismus anerkennen und ihn Joseph Smith als dem neuzeitlichen Autor des Textes zuschreiben. Die Theorie der semitischen Anpassung, die eine Übertragung des Textes in der Antike annimmt, erlaubt noch eine vierte Möglichkeit: dass wir den Anachronismus anerkennen, ihn aber einem antiken Bearbeiter zuordnen. 7. Wir haben auf allgemeine Prozesse einer semitischen Anpassung von ägyptischem Text und ägyptischer Ikonographie hingewiesen. Wir habe auch drei spezielle Beispiele hervorgehoben, die alle irgendeinen Bezug zu Abraham haben und die aus der griechisch-römischen Zeit stammen, derselben allgemeinen Periode, in der die Joseph-Smith-Papyri erstellt wurden. Im Rahmen traditioneller Theorien ist dieser Beweis von begrenzter Bedeutung, da sie fast zwei Jahrtausende nach Abraham entstanden sind. Jedoch im Rahmen der Theorie der semitischen Anpassung kommt dieser Beweis nun aus der richtigen Zeit, um etwas Bedeutsames über die Entstehung des Buches Abraham und die dazugehörigen Faksimiles auszusagen. In dieser Theorie wird der Beweis aus einem späten und daher relativ schwachen Beweis zu einer machtvollen Illustration dafür, wie Juden jener Zeit ägyptische Quellen für ihre eigenen Zwecke anpassten. Die Anpassung einer ägyptischen Psychostase-Vignette aus Kapitel 125 des Totenbuches an die Gerichtsszene im Testament Abrahams, die Anpassung des ägyptischen Originals, das der demotischen Erzählung von Stena zugrunde lag zur volkstümlichen jüdischen Version, in der Osiris durch Abraham ersetzt wurde und die Anpassung eines Hypocephalus in der Apokalypse Abrahams liefern einen erstaunlichen Einblick in die Art, in der J-red, der in derselben Zeit lebte und arbeitete, die Vignetten aus einem Buch des Atmens und einen Hypocephalus als Illustration des Buches Abraham anpasste, das als Teil der antiken Übertragung des Texts in seine Obsorge gekommen war. Meiner Ansicht nach verwandelt die Theorie der semitischen Anpassung die Faksimiles und ihre Interpretationen aus einer scheinbaren Schwäche des Buches Abraham in eine wahre Stärke. Zusammenstellung der Beziehung zwischen Amenemope und Sprichwörter
Semitische Anpassungen aus der Vignette zu Kapitel 125 des Totenbuches zur Gerichtsszene (Psychostase) im Testament Abrahams
Semitische Abänderungen aus dem hypothetischen ägyptischen Original, das der demotischen Geschichte von Setna zugrunde liegt, die zur herleitbaren volkstümlichen jüdischen Version führte, aus der der Bericht des Lukas über den reichen Prasser und den armen Lazarus auf uns gekommen ist.
Semitische Abänderungen von einem Hypocephalus zur Apokalypse Abrahams
i Siehe zum Beispiel, H. Donl Peterson, "Antonio Lebolo: Excavator of the Book of Abraham," [Antonio Lebolo, Ausgräber des Buches Abraham] BYU Studies 31/3 (1991): 9–11; H. Donl Peterson, The Story of the Book of Abraham: Mummies, Manuscripts, and Mormonism [Die geschichte vom Buch Abraham: Mumien, Manuskripte und Mormonismus] (Salt Lake City: Deseret Book, 1995), 36–42; and John Gee, "A History of the Joseph-Smith-Papyri and Book of Abraham" [Eine Geschichte der Joseph-Smith-Papyri und des Buches Abraham] (FARMS paper, 1999), 1–3. ii In den vielen Bänden von E. F. Jomard, Description de l'Egypte, veröffentlicht zwischen 1809 und 1813. iii Siehe Franklin S. Spalding, Joseph Smith, Jr., as a Translator (Salt Lake City: Arrow, 1912). iv Die Einführung dieses Stadiums der Kritik war gekennzeichnet durch eine Reihe Artikel in Dialogue 3/2 (1968),einschließlich John A. Wilson, "A Summary Report," [ein zusammenfassender Bericht] 67–85; Richard A. Parker, "The Joseph Smith Papyri: A Preliminary Report," [Die Joseph-Smith-Papyri. Ein vorläufiger Bericht] 86–88, and "The Book of Breathings (Fragment 1, the 'Sensen' Text, with Restorations from Louvre Papyrus 3284)," [Das Buch des Atmens (Fragment 1, der 'Sensen'-Text mit Restaurierungen aus dem Louvre-Papyrus 3284)] 98–99; Richard P. Howard, "A Tentative Approach to the Book of Abraham Identified," [Festlegung einer vorläufigen Herangehensweise an das Buch Abraham] 92–98; and Hugh Nibley, "Phase One," [Phase eins] 99–105; gefolgt von Klaus Baer, "Breathing Permit of Hor," [Atemerlaubnis von Hor] 3/3 (1968): 109–34. Dinge, die sich auf den Sensen Papyrus beziehen gehen generell über den Rahmen dieses Artikels hinaus. Für eine Bibliographie bis 1992 siehe Adam D. Lamoreaux, "Pearl of Great Price Bibliography" [Bibliographie zur Köstlichen Perle] (FARMS paper, 1992). v Spalding, Translator, 2. vi Ibid., 3. vii Ibid., 4. viii B. H. Roberts, "A Plea in Bar of Final Conclusions," [Ein Einspruch gegen endgültige Schlussfolgerungen] Improvement Era, Februar 1913, 310; ist eine erweiterte Version von "Remarks on 'Joseph Smith, Jr., as a Translator': A Plea in Bar of Final Conclusions," [Bemerkungen über Joseph Smith, jun. als Übersetzer. Ein Einspruch gegen endgültige Schlussfolgerungen]Salt Lake Tribune, 15 Dezember 1912, 33. ix Viele dieser Erwiderungen erschienen in den Deseret Evening News und sind daher nur unter großer Schwierigkeit in kaum lesbaren Mikrofilmkopien zugänglich. Zum Glück wurden die bedeutenderen Stücke im Improvement Era nachgedruckt, manchmal in erweiterter Form. Man beachte vor allem die folgenden: John Henry Evans, "Bishop Spalding's Jumps in the Logical Process," [Bischof Spaldings Sprünge im logischen Prozess] Improvement Era, February 1913, 343–46; James Edward Homans [Robert C. Webb, pseudo.], "A Critical Examination of the Facsimiles in the Book of Abraham," [Eine kritische Untersuchung der Faksimile im Buch Abraham] Improvement Era, March 1913, 435–54, "Joseph Smith, Jr., as a Translator," [Joseph Smith jun. Als Übersetzer] Improvement Era, May 1913, 691–702, "Truth Seeking: Its Symptoms and After Effects," [Wahrheitssuche: Ihre Symptome und Nachwirkungen] Improvement Era, September 1913, 1071–99, and "Have Joseph Smith's Interpretations Been Discredited?" [Wurden Joseph Smiths Interpretationen in Misskredit gebracht?] Improvement Era, Februar 1914, 313–51; N. L. Nelson, "An Open Letter to Bishop Spalding," [Ein offener Brief an Bischof Spalding] x Siehe im besonderen Osborne Widtsoe, "Unfair Fairness," und Nibley, "A New Look at the Pearl of Great Price," Improvement Era, Februar 1968, 14–21. xi Siehe im besonderen die Diskussionen dieser Angelegenheit in Roberts, "Plea in Bar of Final Conclusions"; Sjodahl, "Book of Abraham"; und Pack, "Spalding Argument." xii Thema mehrerer Erwiderungen, jedoch am besten beantwortet von Nibley, "A New Look at the Pearl of Great Price,"[Ein neuer Blick auf die köstliche Perle] Improvement Era, April 1968, 64–69. Einige Abschnitte der Serie wurden in Hugh W. Nibley, Abraham in Egypt, [Abraham in Ägypten] 2. Auflage (Salt Lake City: Deseret Book and FARMS, 2000) abgedruckt. xiii Diese Beobachtung wurde von vielen, die erwiderten, gemacht und kommentiert, beginnend mit Roberts, "A Plea in Bar of Final Conclusions." xiv Die spezifische Beschwerde von John A. Widtsoe, "Comments on the Spalding Pamphlet" and "Dr. Widtsoe's Reply to Rev. F. S. Spalding." xv For Theodule Deveria's early studies of the facsimiles, see his "Specimen de l'Interpretation des Ecritures de l'ancien Egypte" and "Fragments de Mss. Funeraires Egyptiens consideres par les Mormons comme les memoires autographes d'Abraham," in Theodule Deveria: Memoires et Fragments, ed. Gaston Maspero (Paris: Leroux, 1896), 165–202. Deveria's work first appeared in Jules Remy, Voyage au Pays des Mormons, 2 vols. (Paris: E. Dentu, 1860), which was translated into English in Jules Remy and Julius Brenchley, A Journey to Great-Salt-Lake City, 2 vols. (London: W. Jeffs, 1861), and republished by T. B. H. Stenhouse, The Rocky Mountain Saints (New York: D. Appleton and Co., 1873), 513–19. The 1903 correspondence of Henry Woodward and E. A. Wallis Budge is reproduced in Wells, "Scholars Disagree." xvi This famous taking to the woodshed of one generation by a later is to be found in Nibley, "A New Look at the Pearl of Great Price," (January 1968): 23–24, under the subheading "The Mormons Default." xvii Homans [Webb], "A Critical Examination of the Facsimiles," 440. The statement in the manuscript that the record was written "by his own hand upon papyrus," and the apparent historical allusion to Abraham's "signature" being on the papyrus, seem to point to an early belief in the papyri being autographic documents. These statements appear to have been misunderstood; see Nibley, "A New Look at the Pearl of Great Price" (February 1968): 18–21, under the subheading "Some Basic Misconceptions"; John Gee, "Telling the Story of the Joseph-Smith-Papyri," FARMS Review of Books 8/2 (1996): 53–54; and Russell C. McGregor with Kerry A. Shirts, "Letters to an Anti-Mormon," Review of James R. White, Letters to a Mormon Elder, FARMS Review of Books 11/1 (1999): 203–5. In my view, even if Joseph or other early brethren did understand the papyri to have been Abrahamic holographs, that was simply a mistaken assumption. Similarly, many early members of the church wrongly assumed that the Book of Mormon lands constituted the whole of the Americas, but the text itself must control, and in this instance trumps these kinds of assumptions. For a lucid discussion of this issue, see John L. Sorenson, The Geography of Book of Mormon Events: A Source Book (Provo, Utah: FARMS, 1990), 5–35. xviii Osborne Widtsoe, "Unfair Fairness," [Unfaire Fairness] 599–600. xix John A. Widtsoe, "Dr. Widtsoe's Reply,"[Dr. Widtsoes Erwiderung] 618. xx Ibid. xxi Siehe, zum Beispiel, Sjodahl, "The Word 'Kolob,'" [Das Wort 'Kolob'] 621. xxii Die Datierung des Buches des Atmens, an das Faksimiles 1 und 3 angefügt wurden, ist umstritten. Nibley datierte die Papyri auf die Römerzeit (ungefähr das erste Jahrhundert n. Chr.) auf paleographischer Grundlage (Klaus Baer folgend). Gee, auf prosopographischer Grundlage (Jan Quaegebeur and Marc Coenen folgend), datiert die Papyri auf die frühe ptolemäische Zeit (also das frühe zweite Jahrhundert v- Chr.). Siehe John Gee, "The Ancient Owners of the Joseph Smith Papyri" [Die antiken Besitzer der Joseph-Smith-Papyri] (FARMS lecture, 1999) und A Guide to the Joseph Smith Papyri [Ein Führer zu den Joseph-Smith-Papyri](Provo, Utah: FARMS, 2000), 15–16. Robert K. Ritner, "The 'Breathing Permit of Hor' Thirty-four Years Later," Dialogue 33/4 (2000): 99, anerkennt, dass die frühere Datierung möglich ist, macht aber klar, dass er die römische Datierung bevorzugt. Welche Datierung auch richtig ist, es sollte klar sein, dass es sich um eine späte Kopie des textes von Abraham handelt, mehr als 1500 Jahre von Abraham entfernt und nicht um einen abrahmischen Holographen. Wenn man die grundlegenden Tatsachen betrachtet, ist schwer zu ergründen, warum einige Heilige der Letzten Tage es ablehnen anzuerkennen, dass das Buch Abraham in der Antike eine Textübertragung durchlief. xxiii Vergleiche die wichtigen Bemerkungen von John Gee in seinem "Abracadabra, Isaac, and Jacob," Review of Books on the Book of Mormon 7/1 (1995): 72–74. xxiv Theoretisch sollten die beiden Maßstäbe gleich sein, doch in der Praxis ist die Kenntnis heutiger Ägyptologen nicht vollkommen. Daher stellt dies einen bedeutenden Unterschied dar. Siehe John Gee, "Towards an Interpretation of Hypocephali," in "Le lotus qui sort de terre:" Mélanges offerts a Edith Varga, ed. Hedvig Gyory (Budapest: Musée Hongrois des Beaux-Arts, 2001), 325, 330–34. xxv Wenn die Faksimiles als Illustrationen des Buches Abraham übernommen worden sind, dann wären es ägyptische Standard-Darstellungen. Jede Löwensofa-Szene wäre für Faksimile 1 gut, jeder Hypocephalus wäre gut für Faksimile 2 und jede Thronszene wäre gut für Faksimile 3. Wenn sie als Illustrationen des Buches Abraham angepasst worden sind, dann hat der Künstler subtile Änderungen in den typischen Vignetten vorgenommen, um die abgebildeten abrahamischen Szenen besser darzustellen. Das betrachte ich als eine Sache, die jene mit ägyptologischer Bildung entscheiden müssen. Ich selbst möchte in diesem Papier keinen Standpunkt dazu äußern, welche Möglichkeit wahrscheinlicher ist. xxvi Da Papyri von der Art wie sie in den Faksimiles dargestellt sind, nach heutigem Wissensstand, wesentlich nach der Zeit Abrahams entstanden sind, scheint es mir wahrscheinlicher, dass ein Bearbeiter als erster die Papyri als Illustrationen für das Buch Abraham benutzte. Deshalb will ich mich in diesem Papier ganz allgemein auf J-red beziehen. Jedoch vom Konzept her könnte bereits Abraham selbst eine solche Anpassung vollzogen haben. xxvii E. A. Wallis Budge, Facsimiles of Egyptian Hieratic Papyri in the British Museum, 2. Serie (London: British Museum, 1923), plates 1–14. xxviii B. J. Peterson, "A New Fragment of The Wisdom of Amenemope," [Ein neues Fragment von Die Weisheit des Amenope] JEA 52 (1966): 120–28. xxix W. K. Simpson, ed., The Literature of Ancient Egypt [Die Literatur des alten Ägypten](New Haven: Yale University Press, 1973), 241–65. Für eine grundlegende Bibliographie von Werken, die sich mit der Beziehung zwischen Amenemope und den Sprichwörtern befassen siehe John D. Currid, Ancient Egypt and the Old Testament [Das alte Ägypten und das Alte Testament](Grand Rapids, Mich.: Baker Books, 1997), 207–8 n. 9. Die obige Zusammenfassung der Amenope-Texte ist übernommen aus ibid., 207–10. xxx Adolf Erman, "Eine ägyptische Quelle der 'Sprüche Salomos,'" SPAW Philosophisch-historischen Klasse 15 (1924): 86–93. xxxi Siehe die Studie von Currid, Ancient Egypt and the Old Testament, [Das antike Ägypten und das Alte Testament] 207–16. xxxii Rudolf Kittel, Wilhelm Rudolf, und andere, Herausgeber Biblia Hebraica Stuttgartensia (Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 1990), 1304–5, in den Anmerkungen 22:18a, 22:20b, 23:7a, 23:7c, und 23:10a. xxxiii Adaptiert aus James L. Crenshaw, "Proverbs, Book of," in The Anchor Bible Dictionary, ed. David Noel Freedman (New York: Doubleday, 1992), 5:516. xxxiv Gelehrte sind sich etwas uneins darüber, ob das Testament ein hebräisches Original hatte oder in Griechisch verfasst wurde, wobei frühere Gelehrte die erste Ansicht vorziehen und spätere die letztere. Siehe die Diskussion in E. P. Sanders, "The Testament of Abraham," in James H. Charlesworth, Herausg., The Old Testament Pseudepigrapha (Garden City, N. Y.: Doubleday, 1983), 1:873–74. xxxv Die überwiegende Mehrheit der Gelehrten nimmt ägyptische Herkunft an, wobei einige frühere Gelehrte für eine Herkunft aus Palästina argumentieren. Siehe ibid., 875–76. xxxvi Die Ursprungszeit dieses Werkes ist unsicher. Es gibt Argumente, die vom frühen 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum frühen 2. Jahrhundert n.Chr. reichen. Das erste Jahrhundert n.Chr. scheint die am allgemeinsten akzeptierte Datierung zu sein. Siehe ibid., 874–75. xxxvii Jared W. Ludlow's Doktorarbeit behandelt dieses Thema und hat den Titel "A Narrative Critical Study of the Two Greek Recensions of 'The Testament of Abraham,'" an der University of California, Berkeley und Graduate Theological Union. Siehe Insights (Juli 2000): 8. Diese Dissertation wurde nun veröffentlicht unter dem Titel Jared W. Ludlow, Abraham Meets Death: Narrative Humor in the Testament of Abraham (New York: Sheffield Academic Press, 2002). |