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Beweise für das Buch Mormon
Daniel C. Peterson
Heute möchte ich mit Ihnen über einige Beweise für das Buch Mormon
sprechen. Ich denke, dass der grundlegende Beweis für das Buch
Mormon, wie bisher, auch weiterhin das persönliche, geistige Zeugnis
ist, das die Menschen durch aufrichtiges und glaubensvolles Gebet
erhalten. Doch es gibt diesbezüglich noch mehr zu sagen; deshalb
möchte ich gerne über einige aktuelle wissenschaftliche Beweise und
neue Entwicklungen in Bezug auf das Buch Mormon sprechen.
Das Buch Mormon ist für mich, neben dem Tempel, auch der
Hauptbeweis dafür, das Joseph Smith ein von Gott berufener Prophet
war. Es gibt zur Zeit viel Interessantes im Bereich der Buch Mormon
Studien, das sicherlich von großem Wert für die Mitglieder der Kirche
und die Untersucher der Kirche ist.
Zu Beginn muss gesagt werden, dass bereits die Existenz dieses
Buches eine erstaunliche Tatsache ist. Die ungeheure Geschwindigkeit,
mit der es übersetzt wurde, ist ein Wunder. Wie die meisten wohl
schon wissen, wurde es in einem Zeitraum von nur zwei Monaten
fertiggestellt. Obwohl es bemerkenswert ist, mag es für einige nicht
so erscheinen. Vor einigen Jahren wurde ich gebeten, für eine Firma
ein Buch über den Nahen Osten zusammenzustellen. Sie wollten es
ziemlich rasch, tatsächlich wollten sie es sehr rasch. Ich fragte
sie, wieviel Zeit ich denn hätte, wenn ich das Angebot annähme,
worauf sie mir zwei Monate gaben. Ich habe angenommen. Einer der
Gründe, weshalb ich es angenommen habe, war der, mir selbst zu
beweisen, dass ich es schaffen könnte. Ich habe es tatsächlich
geschafft, innerhalb der zwei Monate ein Buch mit circa 140 000
Wörtern zu schreiben.
Ich war sehr zufrieden und andere lobten mich für diese schnelle
Arbeit. Doch dann begann ich darüber nachzudenken. Das Buch Mormon
hat ungefähr 250 000 Wörter und wurde im gleichen Zeitraum
geschrieben. Aber man muss bedenken, dass es ohne jegliche
Korrekturdurchsicht diktiert wurde. Ich hatte dagegen einen Computer
mit einem vielseitigen Textverarbeitungsprogramm, und ich hatte mich
lange im voraus mit dem Thema beschäftigt, da es mein Fachgebiet ist.
Joseph Smith diktierte das Buch Mormon, veränderte so gut wie nichts
und hatte am Ende ein viel längeres und sicherlich auch
beeindruckenderes Werk in der gleichen Zeit geschaffen. Einige Leute
behaupten, dass seine Einbildungskraft mit ihm durchgegangen sei. Ich
fordere diese Leute heraus, ein Buch unter ähnlichen Bedingungen zu
schreiben. Die Existenz dieses Buches, und die besonderen Umstände,
unter denen es entstanden ist, bleiben bemerkenswerte Tatsachen -
wenn man bedenkt, dass alle Beteiligten nicht sonderlich gebildet
waren. Joseph Smith hatte so gut wie gar keine Schulbildung. Seine
schlechten Schreibfähigkeiten waren ihm oft peinlich, deshalb
diktierte er meist lieber anderen. Einige seiner eigenen
handgeschriebenen Texte sind erhalten geblieben, aus denen
hervorgeht, dass er nicht besonders gebildet war. Seine Frau Emma,
die ihn am besten kannte, meinte, dass es weit über seine Fähigkeiten
hinaus gegangen sei, das Buch Mormon zu übertragen. Und dennoch
existiert dieses Buch, das die Herausforderung an die Welt darstellt,
dieses Wunder zu erklären. Es ist einerseits sehr leicht, darüber zu
sprechen, wie Joseph Smith das Buch geschrieben hat. Anderseits, ist
es bemerkenswert zu erkennen, wie es entstanden ist.
Erstaunlich ist aber nicht nur die Geschwindigkeit, mit der das
Buch Mormon übersetzt wurde, sondern auch seine Glaubwürdigkeit als
Geschichtsbuch. Ich habe sehr viel Zeit mit dem Studium antiker und
mittelalterlicher Geschichte und deren Autoren verbracht. Dieses Buch
liest sich wie ein glaubhaftes Geschichtsdokument. Die Menschen in
diesem Buch weisen ein historisches Verhalten auf. Die
Gesellschaftssysteme und Zivilisationen in diesem Buch sind
vergleichbar mit denen aus dem Altertum. Dies ist sehr beeindruckend.
Dies ist etwas, das sicherlich weit über die Fähigkeiten von Joseph
Smith hinausging. Ich werde ihnen im weiteren Verlauf noch Beispiele
geben.
Die Einzelheiten und die Komplexität des Buches Mormon sind ebenso
sehr beeindruckend. John Sorenson hat mit seinem Buch „An Ancient
American Setting for the Book of Mormon“, wie ich meine, eine
glaubwürdige Übereinstimmung zwischen dem Buch Mormon und den
Merkmalen, sowie den Örtlichkeiten in Mittelamerika aufgezeigt. Ich bin
von den vielen Beweisen, die er erbringt, sehr beeindruckt. Ich würde
sogar sagen, dass die bemerkenswerteste Tatsache die ist, dass vom
Buch Mormon eine sehr glaubwürdige und zusammenhängende Geographie
abgeleitet werden kann - so getreu, dass eine kleine Stadt, an einer
Stelle im Buch erwähnt, 200 Seiten später an der exakt gleichen
Stelle wieder auftaucht. Dies geht weit über den Horizont meiner
Studenten hinaus. Auch ich bin nicht in der Lage, mit all den
elektronischen Hilfsmitteln etwas Ähnliches in so kurzer Zeit zu
schaffen.
Das einzige Buch, das annähernd in gewisser Hinsicht Ähnlichkeiten
aufzuweisen hätte, ist J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“. Aber wir
müssen auch bedenken, dass „Der Herr der Ringe“ in einem Zeitraum von
dreißig Jahren von einem Professor geschrieben wurde, der an den
Universitäten in Cambridge und Oxford gelehrt hat. Es ist sicherlich
nicht mit einem Buch zu vergleichen, das in nur zwei Monaten
geschrieben wurde. Also ist schon die Existenz des Buches Mormon an
sich ein Wunder. Ein kleiner Bauernjunge aus dem Staat New York ist
nicht in der Lage, so ein Werk aus dem Stegreif zu produzieren. Es
gibt noch weitere Argumente, die ich erwähnen werde.
Die Zeugen für das Buch Mormon waren schon immer sehr
beeindruckend für mich. Einige befassen sich erst gar nicht mit ihnen
und legen sie beiseite. Das sollte man nicht tun. Richard Andersons
Ausführungen über die drei und die acht Zeugen verdeutlichen sehr
schlüssig die Tatsache, dass diese Männer aufrichtig, kompetent und
ehrenhaft waren und wirklich daran glaubten, was sie gesehen hatten.
Erst kürzlich hat Lyndon Cook eine Sammlung von Interviews mit David
Whitmer, der von den drei Zeugen am längsten gelebt hatte,
veröffentlicht. Von den fast neunzig Interviews, die darin enthalten
sind, ist am bemerkenswertesten, dass die Gespräche alle auf einen
Punkt hinauslaufen, auf sein Erlebnis mit dem Buch Mormon, das David
Whitmer immer wieder erzählte. Wir erinnern uns, dass David Whitmer
die Kirche verlassen hatte und nie zurückgekehrt war und sogar der
Kirche gegenüber feindselig gesonnen und unzufrieden mit der Richtung
war, die sie genommen hatte. Aber all das ist nicht relevant, denn
dies sind nur seine persönlichen Meinungen. Wichtig ist seine Rolle
als Zeuge. Er hatte viele Möglichkeiten, von seinem Zeugnis
zurückzutreten, indem er einfach gesagt hätte, dass er sich geirrt
und Joseph Smith ihn getäuscht habe. Er hat aber nie von dieser
Möglichkeit Gebrauch gemacht. David Whitmer ist immer zu seinem
Zeugnis gestanden. Er hat sogar mehr als das getan - er hat darauf
bestanden. Er ließ sein Zeugnis in seinen Grabstein meißeln. Das,
denke ich, ist sehr beeindruckend.
Es erscheint mir, dass es sehr, sehr schwer für Kritiker ist, die
Aussagen der Zeugen für das Buch Mormon einfach abzutun. Ich erinnere
mich an eine Bemerkung von B.H. Roberts, die ich sehr gut finde. Er
hat gesagt, dass die Zeugnisse der drei und der acht Zeugen, wenn man
sie zusammen betrachtet, außergewöhnlich stark seien. Warum? Wenn man
nur die Aussagen der drei Zeugen allein betrachtet, könnte man sagen,
dass sie mit ihrer Geschichte von einem himmlischen Besucher und
übernatürlicher Umgebung halluziniert hätten. Ich persönlich denke
nicht, dass man es so sagen kann, aber wenn jemand es auf diese Weise
betrachten möchte, ist das möglich. Auf der anderen Seite sind da die
acht Zeugen, die keinerlei himmlische Kundgebungen hatten. Sie waren
nur an einem Nachmittag auf einer kleinen Lichtung in einem Wald, und
sie haben die Platten in einer sehr natürlichen Weise gesehen. Es
gibt also zwei völlig unterschiedliche Erfahrungen, die sich
gegenseitig bekräftigen. Jemand könnte sagen, dass irgendein
Schwindel oder ein Betrug stattgefunden habe, dass Joseph Smith oder
ein anderer die Platten gemacht und dort auf dem Baumstumpf in der
Lichtung platziert habe. Dies wäre eine Erklärung für die acht
Zeugen, doch ich kann nicht wirklich sehen, wie das sein könnte. Wo
sollte erst einmal ein armer Bauernjunge wie Joseph Smith dreißig bis
vierzig Kilo Gold her bekommen? Betrachtet man aber zusätzlich die
wundersamen Erlebnisse der drei Zeugen, so gibt es zwei völlig
verschiedene Berichte, die einander bestätigen. Es ist bemerkenswert
und machtvoll.
Jetzt möchte ich einige andere Gedanken präsentieren, die erst
kürzlich an Bedeutung gewonnen haben. Ich möchte über die Genauigkeit
einiger Punkte im Buch Mormon sprechen, die Joseph Smith nicht kennen
konnte, oder es ist zumindest unwahrscheinlich, dass er sie gekannt
hat. Wir erinnern uns noch einmal daran, dass er ein Mann oder
eigentlich ein Junge mit sehr geringer Schulbildung war, der in
Palmyra, New York wohnte, das nicht gerade eine kulturelle Metropole
war. Der größte Teil der Übersetzung fand in Harmony in Pennsylvanien
statt, das wirklich ein so unbedeutendes Fleckchen war, dass es sogar
heute nicht mehr existiert. Es gab keine großen Büchereien oder
gelehrte Leute, zu denen er hätte gehen können. Und dennoch hat er
ein Buch hervorgebracht, das er als "wundersam" und "göttlich"
beschrieb. In vielen Bereichen trifft das Buch den Nagel auf den
Kopf. Es beschreibt die antike Welt in einer Weise, von der er zu
seiner Zeit nichts wissen konnte. Nicht einmal der gelehrteste
Experte hätte es im frühen neunzehnten Jahrhundert wissen können.
Joseph Smith hat etwas so einmaliges hervorgebracht, dass er sich
selbst dessen wohl kaum bewusst war.
Einer der Punkte, die Hugh Nibley ausführlich in seinem Buch „Since
Cumorah“ beschreibt, ist die Begebenheit der Vulkanausbrüche und
Erdbeben im Dritten Nephi, die so naturgetreu wiedergegeben wurde,
dass man denkt, sie sei von einem Augenzeugen geschrieben, oder von
jemandem, der Zugang zum Bericht eines Augenzeugen hatte. Joseph
Smith hatte keinerlei Zugang zu derartigen Berichten. Soweit wir
wissen, hatte er nie ein Erdbeben miterlebt oder einen Vulkan
gesehen.
Es gibt noch andere Punkte, die man bedenken muss. Viele von Ihnen
kennen bereits die Bedeutung des Chiasmus, der vor einigen Jahren von
Jack Welch im Buch Mormon entdeckt wurde. Ich denke, klassische
Beispiele sind, neben anderen, die Diskussion des Begriffs
Wiederherstellung in Alma 41, oder Alma 36, wo Jesus Christus den
Zentralpunkt eines Chiasmus bildet, als sich Alma in tiefster
Verzweiflung an den Namen Christi erinnert, sich ihm völlig
verschreibt und erlöst wird, was wir in Alma 36 lesen können. Dies
sind erstaunliche Fälle von chiasmischen Strukturen, von denen
Joseph Smith nichts wusste, von denen zu seiner Zeit überhaupt
niemand irgend etwas wusste. Chiasmus wurde erst in diesem
Jahrhundert in alten Schriftstücken entdeckt. Ich kenne einen
Professor an der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA),
der ein renommierter, osteuropäischer Gelehrter auf dem Gebiet der
semitischen Sprachen ist und das Buch von Jack Welch „Chiasmus in
Antiquity“ gelesen hat. Er sprach in seinen Klassen mit Studenten
darüber und meinte, ohne zu wissen, dass es einige HLT dort gab, mit
gedankenvollem Ton: „Das ist ein sehr interessantes Buch. Dieses
Kapitel über das Buch Mormon ist bemerkenswert. Ich weiß nicht, was
ich damit anfangen soll.“ Schon seit langem ist dies die Reaktion
vieler Kritiker. Sie sind ratlos, und das ist so erstaunlich.
Es gibt noch mehr zu berichten. Mein guter Freund William Hamblin
hat in den letzten Monaten einen Artikel über die Frage der
Metallplatten verfasst (Die Forschung darüber geht weiter). Als
Joseph Smith zum ersten Mal vom Fund der Metallplatten berichtete,
gab es erstaunlicherweise viele in der Nachbarschaft, die ihm
glaubten. Doch die frühen Kritiker sagten: „das ist lächerlich auf
goldenen Platten schreiben? Wie absurd!“ Jetzt scheint jedoch die
Beweisführung in eine andere Richtung zu schwenken. Die Leute sagen,
aufgrund der zahlreichen Beweise für goldene Platten im Altertum,
müsse Joseph Smith dies von seinem Umfeld erfahren haben. Was einst
als Absurdum gesehen und gegen Joseph Smith verwendet wurde, wird
jetzt als Selbstverständlichkeit dargestellt, über die jeder zur
damaligen Zeit Bescheid gewusst habe, und so wird es heute auch gegen
ihn verwendet. Aber das funktioniert auch nicht.
Es stellt sich heraus, wie William Hamblin betont, dass die
Verwendung von goldenen Platten besonders im Raum Syrien und
Palästina von Bedeutung war, gerade in dem Zeitraum, als Lehi und
seine Familie Jerusalem verließen. Von dort hat es sich in andere
Gebiete wie Griechenland verbreitet. Doch gerade das ist wiederum
erstaunlich, weil Joseph Smith ein Buch hervorgebracht hat, das in
detaillierter Weise Punkte über den antiken Nahen Osten wiedergibt,
in dem das Buch Mormon seinen kulturellen Ursprung haben soll,
Punkte, die wir zur Zeit gerade wahrzunehmen beginnen.
Ein anderes Gebiet, auf dem ich Nachforschungen angestellt habe,
ist die Geschichte der Gadiantonräuber. Sie gehören zu einigen meiner
Lieblingsgruppen im Buch Mormon, da sie glücklicherweise eine Menge
für die Geschichte der Nephiten und Lamaniten getan haben. Eine der
verrufenen Freizeitbeschäftigungen, die ich als Jugendlicher in der
Highschool hatte, war mein Interesse an Guerillakämpfern und deren
Kriegsführung. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe viel darüber
gelesen. Die führenden Theoretiker zum Thema Guerillakrieg im
zwanzigsten Jahrhundert, der einzigen Zeit, zu der über die Theorie
des Guerillakrieges geschrieben wurde, waren Marxisten: Mao Tse-tung
in China, Vo Nguyen Giap in Nordvietnam und Che Guevara, der Castro
nahesteht, in Kuba. Ich bin sicherlich nicht mit ihrem politischen
Standpunkt einverstanden, aber auf dem Gebiet des Guerillakrieges
waren sie Autoritäten, weil sie ihn selbst praktiziert und darüber
geschrieben haben. Ich habe einfach ohne besondere Absicht viel Zeit
damit zugebracht, ihre Bücher über die Theorie des Guerillakrieges zu
lesen. Doch einige Jahre später hat es bei mir "Klick" gemacht. Ich
unterrichtete gerade eine Evangeliumslehreklasse im Zweig Jerusalem
in Israel. Wir lasen die Bücher Helaman und 3. Nephi. Plötzlich wurde
mit bewusst, dass die Begebenheiten um die Gadiantonräuber ein
Lehrbuchbeispiel für Erfolg und Niederlage waren nach den Regeln wie
sie Giap, Guevara und Mao Tse-tung dargestellt hatten.
Lassen sie mich etwas zu diesen Regeln sagen. Wenn sie sich
besonders die Stellen am Ende von Helaman und zu Beginn des 3. Nephi
anschauen, werden sie feststellen, dass dies genau solche Dinge sind,
über die die Theoretiker geschrieben haben. Zum Anfang sind die
Gadiantonräuber nur eine städtische Terroristengruppe, die Attentate
verübt. Schließlich müssen sie in die Berge flüchten, was auch
typisch ist für Guerillagruppen in unserem Jahrhundert. Sie sprechen
ausführlich darüber, dass sie am besten in der Stadt operieren
können, wo man in den städtischen Massen untertauchen kann. Wenn das
nicht geht, so wie es bei den Gadiantonräubern war, dann fliehen sie
in unwegsames Gelände, fast immer in die Berge. So waren es auch in
allen drei Fällen (China, Vietnam, Kuba) die Berge, in die die
Guerilleros flohen. Von den Bergen aus unternehmen sie Blitzüberfälle
auf Siedlungen, allerdings nur dann, wenn sie gewinnen können. Sie
schlagen blitzschnell zu, richten Schaden an und verschwinden danach.
Dies reizt natürlich die Regierung ohne Ende, die dann Truppen hinter
den Guerilleros her in die Berge schickt, aber die Berge sind das
Heimatgebiet der Guerilla. Die Guerilla wählt den Platz aus, von dem
aus sie kämpft. Sie locken die Regierungstruppen in Hinterhalte und
fügen ihnen enorme Verluste zu.
Im Buch Mormon lesen wir, dass die Kommandanten zurückkommen und
von der überwältigenden Übermacht der Gadiantonräuber berichten. Nun,
das ist wahrscheinlich nicht wahr, denn der Grund, weshalb sie in den
Bergen Unterschlupf suchen, ist ihre geringe Anzahl. Doch sie wollten
den Anschein erwecken in der Übermacht zu sein, vielleicht genauso
wie die frühen Pioniere in Utah während des Utahkrieges, als sie
versuchten, die Regierungstruppen aufzuhalten. Sie versteckten sich
in den Bergen und taten so, als wären sie in der Überzahl, damit die
Truppen sich erst einmal zurückzogen. Dies ist eine althergebrachte
Vorgehensweise.
Zum Glück schossen die Heiligen nicht wirklich auf jemanden, sie
haben sich nur bemüht, den Vormarsch zu verlangsamen, damit es zu
Verhandlungen kommen konnte. Die Gadiantonräuber waren nicht so
freundlich. Sie haben hohe Verluste unter den Nephiten verursacht.
Irgendwann kommt der Zeitpunkt, zu dem die Guerillaarmee ein Gebiet
behaupten muss. Das ist die wahrhaft kritische Phase in jedem
Guerillakrieg. Mao Tse-tung nennt dies den Regulierungsprozess, eine
Guerillaarmee in eine reguläre Armee umzuwandeln, die Gebiete
verteidigen und behaupten kann. Guerillas halten kein erobertes
Gebiet, sie schlagen zu und ziehen sich dann blitzschnell zurück. Sie
wollen beunruhigen und demoralisieren und noch nicht Gebiete
verteidigen. Erst wenn sie sich stark genug fühlen, beginnen sie,
Städte zu besetzen und Gebiete zu behaupten. Doch dies setzt sie
direkten Angriffen aus. Das heißt, dass sie sich nicht mehr
zurückziehen können und ihre freie Manövrierfähigkeit verlieren. Dies
ist ein Problem, das wir als vorzeitige Regulierung bezeichnen
können. Der Kommandant meint zu früh, dass er in der Lage sei, sich
gegen eine reguläre Armee zu behaupten. Der Übergang wird voreilig
vollzogen. Dies kann katastrophal sein, wie es bei den
Gadiantonräubern der Fall war.
Zu einem bestimmten Zeitpunkt (wir lesen darüber im Buch Mormon im
3. Nephi Kapitel 4) kommen die Gadiantonräuber aus den Bergen. Sie
stellen der Führung der Nephiten ein Ultimatum und fordern die
sofortige Kapitulation, aber die Nephiten ergeben sich nicht. Unter
der Führung des Gouverneurs Lachoneus ziehen sich die Nephiten in
ihre Städte zurück. Sie verkünden eine Art "Politik der verbrannten
Erde." Sie transportieren alle Lebensmittel aus den
landwirtschaftlichen Gebieten ab oder zerstören sie. Sie nehmen sie
und verkriechen sich in ihren befestigten Städten.
Dies kehrt die Lage um, und genau in diese Falle sollten
Guerrillakrieger niemals tappen. Was passiert nun, da die Nephiten in
ihren Festungen sind? Nun sind es die Guerrillakrieger, in diesem
Fall die Gadiantonräuber, die ungeschützt draußen in der Ebene
stehen. Und sie können keine Nahrung finden, da alles zerstört wurde.
Daher sind sie gezwungen, dann die Nephiten anzugreifen, um zu
versuchen Lebensmittel zu erlangen, wenn es für sie äußerst ungünstig
ist. Oder sie sind gezwungen sich selbst aufzuteilen, um nach Wild zu
suchen. Doch bei jedem Versuch, sich aufzuteilen, machen die Nephiten
aus der Festung heraus, aus der Stadt, Blitzüberfälle und greifen sie
an. Nun bestimmen die Nephiten die Zeit des Angriffs. Sie haben die
Lage umgekehrt, so dass die Nephiten im Prinzip die Guerilla werden,
während die Gadiantonräuber versuchen, die Gebiete zu behaupten. Es
ist eine Katastrophe, die am Ende zum Untergang der Räuber führt.
All dies verhält sich wie eine Lehrbuchsituation, wie ich schon
ausführlich in einem veröffentlichten Artikel zu zeigen versuchte. Es
gibt kaum ein geeigneteres Beispiel zur Illustration der Tugenden und
Probleme einer Guerillaarmee, der Fehler die sie machen und der
Erfolge die sie haben kann.
Dies soll alles, wie Kritiker meinen, angeblich von einem jungen
Mann, geschrieben worden sein, der nichts über Guerillakriegsführung
wusste, und dessen einzige militärische Vorstellung, zumindest später
im Leben, darin bestand, sich in Paradeuniform auf sein Pferd Charley
zu schwingen und von den Kriegen der amerikanischen Geschichte zu
schwärmen, dem Unabhängigkeitskrieg und dem Krieg von 1812. Das wäre
typisch für seine Zeit gewesen. Ich denke, dass viele Leute die
gleiche Einstellung hatten. Bemerkenswert am Buch Mormon ist jedoch,
dass diese Einstellung völlig fehlt. Vom Bericht über die
Gadiantonräuber oder von allen Kriegsberichten der Nephiten im Buch
Mormon erfahren wir nichts über schicke Uniformen, Paraden,
Truppenbesichtigungen oder Ähnliches. Es ist eine völlig andere
Atmosphäre, und der Guerillakrieg im besonderen ist eher
unromantisch. Dies ist genau das, wogegen sich Mao und andere wehren
mussten. Einige aus ihren eigenen Reihen waren enttäuscht über das
Prinzip, zuzuschlagen und wegzurennen; es war überhaupt nicht
heldenhaft oder romantisch. Aber es war sehr effektiv, auch für die
Gadiantonräuber, zumindest solange sie den Regeln des Guerillakrieges
folgten, die erst in diesem Jahrhundert formuliert wurden, jedoch,
wie wir jetzt wissen, weit ins Altertum zurückreichen. Es ist für
mich sehr erstaunlich, wie fremdartig die Berichte im Buch Mormon
sind, verglichen mit dem, was wir erwarten würden, wenn Joseph Smith
das Buch geschrieben hätte. Es ist tatsächlich eine ganz andere Welt.
Es gibt noch mehr, von dem Joseph Smith nichts gewusst haben
konnte. Auf einen der beeindruckendsten Punkte über das Buch Mormon
bin ich vor Jahren gestoßen, als ich noch in Jerusalem lebte. Ich
bekam einen unveröffentlichten Artikel von John Tvedtnes (er lebt
jetzt in Salt Lake City, war aber zu der Zeit in Jerusalem) in die
Hände, in dem er über das Feiern des Laubhüttenfestes sprach, das er
als Hintergrundgeschehen zu König Benjamins Rede im Buch Mosia
erkannte. Seitdem ich diesen Artikel kenne, sehe ich stets das
Laubhüttenfest in diesem Kapitel. Es ist absolut klar, wenn man es
erst einmal entdeckt hat. Soweit ich weiß, hatte es bis dahin niemand
bemerkt. Es ist etwas, wie ich meine, worüber Joseph Smith nicht
Bescheid wusste. Er konnte nicht damit prahlen, das Laubhüttenfest in
das Kapitel eingearbeitet zu haben, da er nicht wusste, dass es
überhaupt dort war. Und doch ist es ein authentisches Merkmal eines
antiken Schriftstückes. Wenn ein Betrüger dieses Ding gedreht hätte,
ja, wenn ich es getan hätte, ich wäre sehr stolz darauf gewesen. Ich
hätte darauf hingewiesen und gesagt: „Seht her, wie schlau ich bin,
dass ich das hineingetan habe.“ Und doch hat es bis vor einigen
Jahren niemand wirklich entdeckt. Wiederum ein weiteres authentisches
Detail des Altertums.
Es gibt allerdings noch etwas, das mich als Arabisten (mein
besonderes Berufsfeld) im besonderen interessiert. Ich arbeite im
Bereich der mittelalterlichen arabischen Studien. Lynn und Hope
Hilton aus Salt Lake City, die hin und wieder im Nahen Osten lebten,
haben 1975 eine Reise entlang der arabischen Küste gemacht, die wir
als den alten Weihrauchpfad bezeichnen, dem wohl auch, wie viele
glauben, Lehi folgte. Die Hiltons waren in der Lage, viele der
Details aus dem ersten Buch Nephi zu bestätigen, über die bereits
Hugh Nibley in seinem Buch „Lehi in the Desert“ geschrieben hatte und
worin er einen Pfad annimmt, dem Lehi und Nephi gefolgt sind, als sie
von Jerusalem zum Arabischen Meer gewandert waren. Dies wird von
Schriftgelehrten und Forschern in der heutigen Zeit als Grundlage
benutzt.
Ich bin im besonderen Warren und Michael Aston aus Australien zu
Dank verpflichtet, die meiner Meinung nach, den Buch-Mormon-Studien
in den vergangenen Jahren einen großen Dienst erwiesen haben. Sie
haben es geschafft, zwei mögliche Schauplätze im Buch Mormon zu
identifizieren, was wiederum für Joseph Smith völlig unmöglich
gewesen wäre. Ja, Eugene England hat 1982 einen Bericht
veröffentlicht, in dem er darstellte, dass in den Tagen Joseph
Smiths, niemand wirklich etwas über Arabien wusste. Selbst wenn er in
einem Gebiet mit einer märchenhaften öffentlichen oder
Universitätsbibliothek gelebt hätte, so hätte er dort nicht sehr viel
über die Geographie Arabiens erfahren können. Noch interessanter, was
er dort hätte lernen können, wäre auch noch zum größten Teil falsch
gewesen. Doch das Buch 1. Nephi beinhaltet eine sehr genaue
Beschreibung der Reise entlang dieses Pfades durchs alte Arabien, bis
in die Einzelheiten wie etwa wo der Weg eine Biegung macht usw.
Die Astons waren an einigen dieser Orte und haben auch andere
dorthin geführt. Im Jahre 1993 waren es einige Expeditionen in dieses
Gebiet. Sie haben südöstlich von Arabien im heutigen Jemen einen Ort
ausfindig gemacht, der Nahem heisst. Das scheint mit dem
altertümlichen Nahom verwandt zu sein, der Ort, der im Buch Mormon
als die Grabstätte Ischmaels erwähnt wird. In vielerlei Hinsicht ist
dies ein wichtiger Name. Im Buch Mormon heißt es gewöhnlich, dass
Lehi die Orte benannte, dass er einem bestimmten Platz einen
bestimmten Namen gab. In diesem Fall bestand der Name bereits.
Ischmael wurde an einem Ort begraben, der Nahom hieß. Nahem und
Nahom sind fast identisch. Jeder, der sich mit der arabischen,
hebräischen oder altsemitischen Sprache auskennt, weiß, dass es auf
die Konsonanten ankommt. Vokale können sich verschieben oder
verändern. Die beiden Namen sind also ununterscheidbar. Was bedeutet
der Stamm NHM! Es kann zum Beispiel bedeuten, dass man vor Kummer
oder Gram weint, stöhnt, trauert oder Trost sucht. Es ist ein idealer
Name für eine altertümliche Grabstätte. Wie sich herausstellt, gibt
es an diesem Ort Nahem, der sich exakt an der richtigen Stelle
befindet, einen uralten Friedhof, dessen Ursprünge weit in der
Vergangenheit liegen. Wie weit wissen wir nicht, da dort noch keine
archäologischen Ausgrabungen genehmigt wurden und vielleicht auch
niemals genehmigt werden. Auf jeden Fall gibt es dort einen Friedhof
aus früherer Zeit und der Ort liegt genau an der Stelle des Weges, wo
er sein soll.
Aber Nahem ist nicht ein Einzelfall, was ich als sehr erstaunlich
betrachte. Wir haben es hier nicht nur mit der Bedeutung eines
Schauplatzes zu tun, sondern mit zwei Orten, die sich gegenseitig in
ihrer Existenz bekräftigen. Im Buch Mormon wird davon berichtet, wie
Lehi und seine Familie nach der Beerdigung von Ischmael östlich
marschierten und an einen Ort an der arabischen Küste kamen, den sie
"Überfluss" nannten. Kritiker haben sich in den vergangenen
einhundertsechzig Jahren darüber lustig gemacht, da jedermann weiß,
dass es in Arabien keinen Ort "Überfluss" gibt. Es gibt keinen Ort
mit derartigen Holz- und Pflanzenarten. Arabien ist eine große weite
Wüste, die sogar die Mojave Wüste wie einen tropischen Regenwald
erscheinen lässt. Und das ist im großen und ganzen sicherlich
richtig. Doch es gibt tatsächlich ein paar Orte an der arabischen
Küste (die meisten von ihnen waren bis vor kurzem noch unbekannt), wo
man üppige Pflanzen- und Baumbestände vorfinden kann. Erst kürzlich
hat mir ein Kirchenkritiker geschrieben: „Ich weiß ganz sicher, dass
es so einen Ort wie dieses Überfluss an der Küste Arabiens nicht
gibt.“ Ich könnte ihm zurückschreiben: „Ich weiß, dass es einen
solchen Ort gibt. Ja, während ich Ihnen schreibe, schaue ich auf ein
Poster von diesem oder zumindest einem sehr ähnlichen Ort, das über
meinem Computer hängt. Nun, er kann es sicherlich nicht widerlegen,
denn Bilder sagen mehr als tausend Worte, und ich habe eines direkt
vor mir. Es ist also wahr, dass solche Orte existieren.
Wenn man von Nahem, dem Ort, der vorläufig als Nahom aus dem Buch
Mormon identifiziert wurde, in östlicher Richtung weiterreist, kommt
man an einen Platz, der sich Wadi Sayq nennt. Es ist ein sehr
unzugänglicher Ort, nur mittels Kamelkaravane durch das enge Wadi,
ein ausgetrocknetes Flussbett, zu erreichen. Aber wenn man dort
ankommt, findet man Bäume, groß genug, um ein Schiff zu bauen. Es
gibt dort einen Strand, Grünpflanzen und Süßwasser. Das ist
bemerkenswert, und der Ort liegt genau dort, wo er dem Buch Mormon
nach sein soll, in genau dem Bezug zu Nahem oder Nahom, den das Buch
Mormon beschreibt. Nochmals: in den Tagen von Joseph Smith dachte
man, solche Orte gäbe es nicht. Wenn Joseph um Rat gefragt hätte,
während er irgend so ein Garn über das alte Arabien und das alte
Amerika zusammenspann, hätte ihm jeder sagen können: „Verschwende
deine Zeit nicht, so einen Ort gibt es nicht.“ Und dennoch gibt es
ihn. Er wurde gesehen, er wurde erforscht und wird weiterhin
untersucht. Und das ist, denke ich, wirklich bemerkenswert: Das war
ein Schuss ins Schwarze, in ein Ziel von dem Joseph nicht einmal
wusste, dass er darauf zielte. Erneut wurde Joseph Smith von
Entwicklungen lange nach seinem Tod gerechtfertigt.
Ich denke eine der verblüffendsten Sichtweisen auf Joseph Smith
ergibt sich, wenn man einige „Fehler“ anschaut, die er gemacht hat
und betrachtet, wie er durch sie gerechtfertigt wurde. Es gibt zwei,
an die ich im Zusammenhang mit dem Buch Mormon denke. Zum einen ist
da der Name Alma, den wir im Westen seit langem als weiblichen
Vornamen kennen. Man findet ihn in Ausdrücken wie „alma mater“. Es
ist ein aus dem Lateinischen stammender Frauenname, der Männern nicht
gegeben wird. Kirchenkritiker haben sich schon seit langer Zeit
darüber lustig gemacht, dass es nur unter den Mormonen Männer mit dem
Namen Alma gibt, wie lächerlich! Es sei kein altsemitischer
Männername, sondern ein relativ moderner lateinische Frauenname.
Daher hatte Joseph Smith ganz eindeutig einen Fehler gemacht. Genau
das ist es, was ich als so erstaunlich betrachte, denn wenn Joseph
jemals diesen Namen gehört hätte, dann wäre es als Frauenname
gewesen.
Wie kommt es also, dass er im Buch Mormon auf einen Mann
angewendet wird? Es gibt mindestens zwei prominente Männer mit diesem
Namen in dem Buch. Erst kürzlich hat man herausgefunden und
bestätigt, dass Alma ein altsemitischer Männername gewesen ist. Diese
Entdeckung wurde nicht von einem Mitglied der Kirche Jesu Christi
gemacht, sondern von Yigael Yadin, einem der prominentesten
Archäologen Israels in diesem Jahrhundert und ehemaligem
Stellvertretenden Ministerpräsident von Israel. Er war Stabschef des
israelischen Militärs während des Unabhängigkeitskrieges von 1948. Er
war ein sehr beeindruckender Mann und ein großer Gelehrter. Während
der Untersuchung einer Höhle am Toten Meer, fand er ein Schriftstück
in dem der Name „Alma, der Sohn Judas“ auftaucht. Unmissverständlich
ist es der Name ALMA in allem, was Yadin je über diese Ausgrabung
veröffentlichte. Es ist erstaunlich. Hätte Joseph Smith bei der Suche
nach einem Namen für seine männliche Hauptfigur auf den Rat anderer
um ihn herum gehört, so hätte er bestimmt einen Fehler begangen. Es
stellt sich heraus, dass ein scheinbarer Fehler doch keiner ist,
sondern eine mächtige Rechtfertigung seines prophetischen Anspruchs.
Und dennoch gibt es Artikel von Leuten, die es besser wissen sollten,
in denen Joseph Smith lächerlich gemacht wird. Ja, in einem Fall
wiederholen sogar Leute, von denen ich weiß, dass sie es besser
wissen, die alten, langweiligen Argumente immer noch, als ob sie wahr
wären. Alma ist eine Rechtfertigung für das Buch Mormon.
Es gibt noch einen anderen Punkt, der zur Zeit unter den Kritikern
des Buches Mormon Mode ist. Dies ist die Aussage in Alma 7:10, dass
Jesus "zu Jerusalem" geboren werden würde (was für Alma noch in der
Zukunft lag), "das das Land unserer Vorväter ist." Einige sind sogar
so weit gegangen, dass sie Autoaufkleber entworfen haben, auf denen
steht: "Mormonismus oder Christentum, Jerusalem oder Bethlehem".
Ziemlich oft rufen sie in gespieltem Unglauben aus: "Jedes Schulkind
weiß, dass Christus in Betlehem geboren wurde," doch gerade das ist
der springende Punkt. Joseph wusste mit Sicherheit, dass Jesus in
Betlehem geboren wurde. Stellen wir uns einmal vor, dass wir einen
Mann vor uns haben, der, so wie die Kritiker behaupten, schlau genug
war, dieses Buch zu fabrizieren, das so viele Dinge über den Nahen
Osten voraussah, die wir erst jetzt zu erfahren beginnen. Ein Buch,
das sehr komplexe Zitate aus der Bibel enthält und mit vielen
biblischen Stilmitteln versehen ist, die sehr ausgereift und
verfeinert sind. Und dann soll er den Geburtsort Christi nicht
wissen, was jedem noch so einfachen Bibelschüler bekannt war! Doch es
stellt sich wieder heraus, dass das Buch Mormon Recht hat und die
Kritiker nicht.
Vor gar nicht allzulanger Zeit hat man die Amarnabriefe entdeckt,
in denen es einen Bezug zu einem Ort gibt, den W. F. Albright,
wahrscheinlich der größte amerikanische Archäologe des zwanzigsten
Jahrhunderts, als Betlehem identifiziert hat. Und wo soll es liegen?
- Im Land Jerusalem. Hier gibt es also einen Hinweis auf eine Stadt
Betlehem im Land Jerusalem, genauso, wie es im Buch Mormon
geschrieben steht. Die Amarnabriefe werden auf 1400 v.Chr.
zurückdatiert, und einige Leute sagen, das sei zu früh. Na gut,
lassen wir das gelten, obwohl ich es nicht für ein stichhaltiges
Gegenargument halte. Wir können noch andere Punkte betrachten. Die
Bibel beschreibt wiederholt Städte, nach denen das umliegende Land
benannt wurde. Es ist wahr, dass in der Bibel nie vom Land Jerusalem
gesprochen wird, auch wenn es dem manchmal sehr nahe kommt. Aber wir
kennen das Land Damaskus, das Land Samaria und noch mindestens
zwanzig weitere Landstriche, die nach den Städten benannt wurden, die
dort liegen. Es ist wahrscheinlich nur Zufall, dass der Ausdruck
„Land Jerusalem“ in der Bibel nicht vorkommt. Aber er erscheint im
Buch Mormon. Der richtige Platz, um nach diesem Ausdruck zu suchen,
ist das Buch Mormon, das regelmäßig über die Stadt und das Land
Zarahemla sowie die Stadt und das Land Überfluss spricht. Das ist ein
Sprachmuster, das sehr häufig im Buch Mormon auftaucht, und Alma
schreibt mehrere Jahrhunderte, nachdem seine Leute Jerusalem
verlassen haben. Es ist also in Wirklichkeit das Buch Mormon, das als
Maßstab für die Formulierung verwendet werden sollte. Und Bethlehem,
nur acht bis zehn Kilometer außerhalb von Jerusalem, ist mit
Sicherheit innerhalb der Landesgrenze Jerusalems, einer viel größeren
Stadt, die schon immer die zentrale Hauptstadt und Sitz der Könige und
so weiter gewesen ist.
Aber noch interessanter ist, dass erst kürzlich ein Dokument von
den Schriftrollen vom Toten Meer, die so lange bis zu ihrer
Veröffentlichung brauchten veröffentlicht wurde. Dieses Dokument
stammt genau aus der Zeit, in der auch Lehi gelebt hat und wird 4Q385
oder auch Pseudo-Jeremia genannt. Und was finden wir dort? Es spricht
über das Land Jerusalem. Während wir bei diesen Schriftrollen sind,
lassen sie mich noch etwas Allgemeines dazu sagen. Als das Buch
Mormon veröffentlicht wurde, schien der Gedanke, dass alte
Zivilisationen ihre Berichte freiwillig vergraben würden, damit sie
später wieder hervor kommen, albern. Und dennoch wissen wir heute,
dass es im antiken Nahen Osten eine Gruppe gab, die genau das tat,
die Gemeinschaft mit den Schriftrollen vom Toten Meer, die
wahrscheinlich in Qumran wohnte. Wir wissen, dass ihre Dokumente
wahrscheinlich zur Zeit des römischen Angriffs auf Judäa während des
ersten Jüdischen Aufstandes um 70 n.Chr. versteckt wurden. Die Lage
damals kann man sich so vorstellen: Als die Römer unmittelbar nach
der Eroberung Jerusalems das Tal des Toten Meeres hinunterziehen,
kommen sie irgendwo in die Gegend von Jericho und beginnen südwärts
vorzurücken, hin nach Masada, dem letzten Ort des jüdischen
Widerstandes. Um nach Masada zu gelangen, müssen sie geradewegs die
Gemeinschaft von Qumran überrennen. Der Gemeinschaft wird klar, das
ihre Tage gezählt sind und sie macht Vorbereitungen den Ort zu
verlassen - und er blieb verlassen, bis er vor nicht allzu langer
Zeit gefunden wurde. Sie beginnen, ihre wichtigsten Dokumente in
Höhlen zu deponieren. Man kann sogar nachvollziehen, wie sie das
machen. Zuerst tun sie es sehr sorgfältig, ja, eines ihrer Dokumente
gibt sogar Anweisungen wie man Dokumente für ein solches Vergraben
präpariert. Die Dokumente werden sehr sorgfältig in Höhlen gelegt,
und dann gegen Ende kann man sehen, wie ihnen die Zeit ausgeht.
Vielleicht können sie die Römer schon sehen, wie sie das Tal herunter
kommen, sie beginnen das Zeug einfach in die Höhlen zu werfen. Es
wird immer hastiger.Hier sehen wir eine Gemeinschaft, die aus
Jerusalem geflohen war, weil es für sie nicht rechtschaffen genug
war, die einen Richtspruch auf Jerusalem herabrief, ganz ähnlich wie
Lehi, als er Jerusalem verlassen hatte. Als die bevorstehende
Zerstörung droht, fürchten sie sich. Sie nehmen ihre Berichte,
versiegeln sie, damit sie zu späterer Zeit hervorkommen, in einer
besseren Zeit, in der es mehr Rechtschaffenheit oder irgendwelche
verbesserten Umstände geben wird. Gerade diese Dokumente werden dann
gefunden und werden auf vielfältige Weise zum Zeugen für gerade die
Dinge, von den das Buch Mormon spricht. Dieses Muster taucht immer
wieder im Buch Mormon auf, was viele Leute für lange Zeit als
unglaubwürdig hielten, was jedoch, wie wir jetzt wissen, im antiken
Nahen Osten tatsächlich auftritt. Eine dieser Schriftrollen ist die
so genannte Kupferrolle, ein Beweis für das Schreiben auf Metall, wie
im Buch Mormon erwähnt. Dies sind bemerkenswerte Parallelen.
Ich
denke, dass es sicherlich noch weitere Parallelen zu finden gäbe,
doch einige sind in dieser Beziehung schon viel zu weit gegangen.
Aber es ist klar zu bemerken, dass die Völker im Buch Mormon sich so
wie die Leute in Qumran verhalten haben. Es gibt sogar einen
österreichischen Autor, der vor Jahren sagte, man könne die Leute von
Qumran, da sie das Kommen des Messias und die letzte Zeit erwarteten,
Heilige der Letzten Tage nennen, doch leider gebe es bereits eine
amerikanische Sekte mit diesem Namen. Das sind sicherlich ein paar
interessante Parallelen.
Man könnte noch viel darüber sagen, wie die alte Welt nun begonnen
hat, auf bemerkenswerte Art Beweise für das Buch Mormon
hervorzubringen. Meiner Meinung nach ist einer der bemerkenswertesten
Lehis Vision vom Rat im Himmel (nicht mit dem Rat im Vorherdasein zu
verwechseln). Im allerersten Kapitel des ersten Buches Nephi ist
diese Vision niedergeschrieben. Dort heißt es, dass Lehi in einer
Vision "Gott auf seinem Thron sitzen zu sehen meinte, umgeben von
zahllosen Scharen von Engeln" (1. Nephi 1:8). Lehi wird vom Herrn mit
einer Botschaft des Gerichtes und der Zerstörung betraut, die er an
die Menschen von Jerusalem weitergeben soll. Dass ein Prophet
Einblick in den Rat im Himmel hat, ist ein sehr alter Gedanke. Er ist
auf jeden Fall biblisch. Man kann ihn in Jesaja Kapitel sechs, in
Jeremia, in Sacharja sowie an vielen anderen Stellen in der Bibel und
anderswo finden. Es ist eine sehr wichtige Vorstellung, deren
Bedeutung wir gerade erst am Ende dieses Jahrhunderts zu erkennen
beginnen. Diese Vorstellung besteht im wesentlichen darin, dass der
Rat der Götter (abhängig von der Religion) oder der Rat Gottes und
seiner Engel (wie es zum Beispiel in Hiob in der Bibel zu lesen ist)
offensichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Der
Rat ist nicht jedermann zugänglich, nur dem Propheten. Er hört von
den Geheimnissen und den Beschlüssen des Rates, die er deshalb seinen
Mitmenschen auf der Erde mitteilen kann. Dies bildet einen Großteil
seiner Vollmacht. Wir beginnen erst jetzt zu verstehen, wie mächtig
diese Auffassung ist, von der wir erst jetzt erkennen, dass sie sich
durch viele Schriften vom antiken bis in den frühmittelalterlichen
Nahen Osten zieht.
Ich erinnere mich an einen Artikel, den ein Kollege und ich vor
einigen Jahren in Boston zum Thema der "Gottesthronerscheinung" in
Visionen oder über den Rat im Himmel verfasst haben. Darin war eine
Liste von über fünfundzwanzig auftretenden Fällen dieses Motivs
enthalten. Einer dieser Fälle war im ersten Nephi. Von allen ist der
im ersten Nephi höchstwahrscheinlich einer der besten. Es gibt
ungefähr zwanzig spezifische Elemente in dem Motiv, die
herausgearbeitet werden können und auch von Gelehrten
herausgearbeitet wurden. Keiner der Fälle enthält alle 20
Charakteristiken. Doch der eine Fall, der einem Lehrbuchbeispiel am
nächsten kommt ist meiner Meinung nach die Schilderung im ersten
Kapitel des ersten Buches Nephi. Es ist eine erstaunliche Tatsache,
und ich bezweifle, dass Joseph Smith dies aus seinem eigenen,
ziemlich begrenzten Bibelstudium heraus hätte zustande bringen
können.
Ein ähnlicher Gedanke ist der des himmlischen Buches. Dass ein
Engel einem jungen Mann ein Buch übergibt, wird schon lange von den
Leuten verspottet. Ein Kritiker des Buches Mormon behauptet, dass man
keine Bücher von Engeln bekäme, so einfach sei das. Es ist überhaupt
nicht so einfach. Wie sich herausstellt, ist dies ein im alten Nahen
Osten außerordentlich weit verbreiteter Gedanke. Geo Widengren, ein
bedeutender schwedischer Religionshistoriker und Spezialist auf dem
Gebiet des alten Iran und des alten Nahen Ostens, hat gesagt: „Nur
wenige religiöse Konzepte spielten im antiken Osten eine wichtigere
Rolle, als die Vorstellung, dass himmlische Tafeln und Bücher einem
Sterblichen während einer Begegnung mit himmlischen Wesen überreicht
werden.“ Dieser Gedanke ist sicherlich biblisch. Man findet ihn in
Exodus, Jeremia und Ezechiel, sowie in der Offenbarung des Johannes,
welche ein besonders gutes Beispiel ist. Auch in nichtbiblischen
Büchern kann man diesen Gedanken, ich würde sagen, noch detaillierter
finden. Ich denke da zum Beispiel an 1. Henoch. Eines der besten
Beispiele ist wahrscheinlich im moslemische Buch, das wir als den
Koran, das heilige Buch des Islam, kennen, das vom Engel Gabriel zu
Mohammed gebracht wurde. Was auch immer sie über die Herkunft des
Koran denken mögen, so ist er jedenfalls ein bemerkenswertes Beispiel
für eine sehr alte Lehre des Nahen Ostens, und es ist keinesfalls das
neueste. Hier handelt sich um das frühe siebte Jahrhundert n. Chr. Es
ist ein sehr klarer Fall von einem Buch, das von einem Engel
überbracht wird.
Das von den Experten herausgearbeitete Schema hat im Prinzip vier
Merkmale. Erstens gibt es ein göttliches Wesen, das ein Buch einem
Sterblichen überreicht. Zweitens wird dem Sterblichen geboten, das
Buch zu lesen. Drittens wird dem Sterblichen geboten, das Buch
abzuschreiben oder etwas ähnliches damit zu tun. Manchmal wird ihm
geboten, das Buch zu essen, um zu zeigen, dass er den Inhalt völlig
verstanden hat. Viertens wird ihm geboten, die Botschaft des Buches
anderen Sterblichen zu verkünden. Es gibt ein sehr gutes Beispiel
dafür im Buch Mormon. Erinnern wir uns an den Fall von Lehi, ziemlich
am Anfang des Buches Mormon, dem eine Vision über ein göttliches Buch
offenbart wurde. Ihm wird von den Richtersprüchen über Israel
berichtet und geboten, diese Botschaft an die Einwohner Jerusalems
heranzutragen, was sicherlich gefährlich und riskant war. Doch es
gibt auch den Fall von Joseph Smith selbst. Hier sehen wir erneut,
dass nicht nur die Begebenheiten im Buch Mormon, sondern auch in der
Geschichte des Buches, den Ereignissen um das Buch Mormon im 19.
Jahrhundert, als Lehrbuchbeispiel dieser antiken Vorstellung des
himmlischen Buches dienen, das sterblichen Wesen heruntergebracht und
dann unter ihnen verbreitet wird. Es ist ein sehr gutes Beispiel. Ich
kann mich sogar an ein Beispiel aus dem frühen Christentum erinnern,
wo in einem Buch über die Visionen des Hermas berichtet wird. Ein
Engel, ein weiblicher Engel oder eine weibliche Person legt Hermas
ein Buch vor. Schließlich will er es mitnehmen, doch die Botin sagt
ihm, er müsse ihr das Buch zurückgeben, er könne es nicht einfach
mitnehmen. Das ist sehr ähnlich wie der mit viel Spott und Hohn
kommentierte Aspekt der Joseph Smith Geschichte, nämlich dass ihm ,
nachdem er mit dem Buch gemacht hat, was er sollte (es übertragen
bzw. übersetzen), gesagt wird, er müsse es dem himmlichen Boten
zurückgeben. Es gibt noch andere Züge aus dem alten Nahen Osten, von
denen ich denke, dass es sehr zweifelhaft ist, dass Joseph Smith sie
kennen konnte. Eine besondere Entdeckung, die erst kürzlich gemacht
wurde, ist die Figur des Moshiah (auf hebräisch Moschiach
ausgesprochen und nicht mit dem Begriff Meschiach=Messias zu
verwechseln, der wahrscheinlich aus einer anderen Wurzel stammt).
Dieser Begriff taucht nur im Hebräisch des Alten Testaments auf,
nicht im Englisch der King James Übersetzung, so dass Joseph Smith
nicht beim Lesen seiner King James Bibel darauf gestoßen sein kann.
Vor kurzem hat die Gelehrtenwelt diesen Begriff „Moshiah“ einem
Helden der Gerechtigkeit zugeschrieben, der in einer Streitfrage, in
einer Schlacht oder während einer Unterdrückung auftaucht. Er nimmt
eine Art Erlöser- oder Befreierrolle ein. Es gibt wieder vier
Faktoren oder Merkmale dieses Moshiah, die man sich merken sollte:
(1) er ist von Gott berufen; (2) er befreit ein auserwähltes Volk aus
ihrer Unterdrückung, aus einem Konflikt oder aus Ungerechtigkeit,
nachdem sie um Hilfe gefleht haben; (3) ihre Befreiung, und das halte
ich für besonders markant, wird gewöhnlich ohne jegliche
Gewaltanwendung erreicht, gewöhnlich durch Flucht oder Verhandlungen;
(4) die Menschen kehren zurück in ein gerechtes Leben, in dem jeder
Anrecht und Kontrolle über das rechtmäßige Eigentum hat, die Dinge,
die ihm gehören.
Wenn wir einmal in das Buch Mosia, welcher Name doch auffallend
dem Namen Moshiah ähnelt (im Hebräischen wird es entweder Mosia oder
Moschia geschrieben), hineinschauen, was finden wir dort? Es gibt
eine ganze Reihe von Befreiungsaktionen unter einem erwählten
Anführer, zumeist gewaltlos (z.B. durch Flucht). Alma der Ältere ist
ein klassisches Beispiel dafür, aber noch interessanter ist eine
Gestalt, genannt Mosia. Dies könnte sehr wohl der Name Moshiah sein.
Im Buch Omni, diesem kleinen, kurzen Buch im Buch Mormon, haben wir
einen Bericht über einen dieser Leute. Beginnend mit Vers zwölf des
Buches Omni lesen wir:
Siehe, ich will zu euch etwas über Mosia sagen, der zum König über
das Land Zarahemla gemacht worden ist; denn siehe, ihm wurde vom
Herrn dringend geraten, aus dem Land Nephi zu fliehen, und wer auf
die Stimme des Herrn hören wollte, sollte auch mit ihm aus dem Lande
weggehen, hinaus in die Wildnis.
Und es begab sich: Er tat, wie der Herr ihm geboten hatte. Und sie
gingen aus dem Lande weg, hinaus in die Wildnis, alle, die auf die
Stimme des Herrn hören wollten; und sie wurden durch viele Predigten
und Prophezeiungen geleitet. Und sie wurden beständig durch das Wort
Gottes ermahnt; und sie wurden von der Macht seines Armes durch die
Wildnis geführt, bis sie hinab in das Land kamen, welches das Land
Zarahemla genannt wird. (Omni 1: 12-13)
Was haben wir hier? Es handelt sich um die Befreiung eines Volkes
durch gewaltlose Mittel durch eine Gestalt, deren Namen sehr wohl mit
dem Begriff des althebräischen Befreiers aus Unterdrückung verbunden
werden kann. Mosia gründet danach eine Königslinie, mit einem anderen
Mosia, dessen gesamte Geschichte dadurch gekennzeichnet ist, Menschen
aus Unterdrückung zu befreien. Ich denke, dass dies sehr
bemerkenswert ist.
Es gibt noch einen anderen Aspekt aus dem Alten Nahen Osten, über
den ich einige Gedanken verlieren möchte. Es handelt sich um das
berühmte Gleichnis vom Ölbaum im fünften Kapitel des Buches Jakob.
Jakob Kapitel fünf ist eine sehr umfangreiche Geschichte, die von
einem Propheten mit Namen Zenos stammt, der in der Bibel unbekannt
ist. Zenos stammte wahrscheinlich aus dem nördlichen Königreich
Israel, offensichtlich irgendwann vor der Zeit Lehis. Zenos erzählt
ein langes Gleichnis über den Herrn eines Weingartens und seinen
Knecht oder seine Knechte und ihre Pflege eines Ölbaums. Vor kurzem
wurde an der Brigham Young Universität ein Symposium über Jakob 5
abgehalten. Es ist bemerkenswert, was man alles aus einem einzigen
Kapitel des Buches Mormon herausholen kann. Das Buch ist nahezu
unermesslich ergiebig. Ein umfangreiches Buch über dieses Kapitel
wurde verfasst, und es gab eine Anzahl interessanter Aspekte. Zum
einen gab es eine Gruppe von Gartenbauexperten (spezialisiert auf die
Kultivierung von Bäumen), die sich diesen Bericht über die
Kultivierung und Produktion von Oliven im Buch Mormon in Jakob 5
anschauten und herausfanden, dass so gut wie jede Einzelheit mit dem
Wissen übereinstimmt, das wir heutzutage über Wachstum, Kultivierung
und Pflege von Ölbäumen haben.
Wir müssen uns vor Augen halten, dass im Staat New York keine
Ölbäume wachsen. Joseph Smith hat wahrscheinlich nie in seinem Leben
einen gesehen. Selbst wenn, so hätte er nichts über die Kultivierung
und Pflege dieser Art von Bäumen gewusst. Ölbäume werden ganz anders
behandelt als die Bäume, die er kannte. Woher hatte er also diese
Informationen? Für mich scheint die konservativste Auffassung, die
beste Erklärung, die zu sein, dass, wer immer Jakob 5 schrieb, aus
erster Hand über die Kultivierung von Oliven Bescheid gewusst haben
muss. Er wusste, wie man es macht. Dieser Bericht ist sehr
detailliert und reichhaltig, weil es natürlich ein Bericht über die
Geschichte dieser Erde ist (von der Vergangenheit bis in die
Zukunft), mit dem Ölbaum als Metapher für das Haus Israel. Es gibt
darin das Einpfropfen, das Beschneiden und die Verteilung der
einzelnen Äste in die entferntesten Winkel des Weingartens und vieles
mehr. Und es stimmt alles bis in die letzte Einzelheit, mit einer
erwähnenswerten Ausnahme. Hier handelt es sich um den Teil in Jakob
5, wo es heißt, dass abgebrochene Zweige vom wilden Ölbaum, oder
kleine Teile des wilden Baumes, in den Mutterbaum oder veredelten
Baum eingepfropft wurden und dann edle Frucht hervorbrachten. Das
gibt es nicht. Ein wilder Zweig, selbst wenn er in einen veredelten
Baum eingepfropft wird, bringt noch immer wilde Frucht hervor. Er
wird zwar überleben aber er wird nicht einfach weil er in einen edlen
Ölbaum eingepfropft wurde, edle Frucht hervorbringen. Ist dies nun
ein Fehler im Buch Mormon? Nein, nicht wirklich.
In einem der Artikel
aus diesem Buch über Jakob 5, an dem ich beteiligt gewesen bin,
werden Beweise vorgelegt, in denen es heißt, dass im antiken
Mittelmeerraum die Menschen an die Möglichkeit geglaubt haben, dass
ein wilder Zweig, der in einen edlen Olivenbaum eingepfropft wurde,
auf wundersame Weise edle Frucht hervorbringen könne. Auf natürliche
Weise ist es nicht möglich, aber als Wunder schon. Die prophetischen
Gestalten des antiken Mittelmeerraumes, insbesondere die griechischen
Denker und Philosophen usw., betrachteten dies als ein göttliches
Zeichen. Es war ein wundersamer Eingriff Gottes, etwas, das den
normalen Gesetzen der Kultivierung und Produktion von Oliven
zuwiderlief.
Wofür steht dies nun im Bericht des Buches Mormon? Es steht für
die Bekehrung der Anderen (Nichtjuden) zu Mitgliedern des Hauses
Israel. Es ist eine wundersame Veränderung, genau das, was es laut
Buch Mormon sein soll. Das ist wohl eine bemerkenswerte Sache. Es ist
eine sehr lange, eine 77 Verse umfassende Beschreibung der
Ölbaumkultivierung. Dieser Strick ist sicherlich lang genug, so dass
sich Joseph Smith mit Sicherheit daran erhängt hätte, wenn er das
erfunden hätte, aber er hat es nicht erfunden. Joseph hat es richtig
gemacht, und selbst die Stelle, die falsch zu sein scheint,
entspricht den Auffassungen im alten Nahen Osten und antiken
östlichen Mittelmeerraum. Das ist schon bemerkenswert, und ich
fordere Kritiker des Buches Mormon heraus, das Gegenteil davon zu
beweisen, dass dieser Abschnitt von jemandem verfasst wurde, der
tatsächlich aus der Gegend kam, wo Oliven produziert wurden. Und das
ist ganz genau das Gebiet, aus dem Zenos und Lehi ursprünglich
stammten, der östliche Mittelmeerraum.
Noch etwas, wovon ich denke, dass es großen Wert hat, erwähnt zu
werden, ist folgendes: In unserem heutigen Sprachgebrauch
unterscheiden wir nicht besonders zwischen Räubern und Dieben. Wir
und auch die King James Bibel benutzen diese Worte gleichwertig.
Räuber oder Dieb, es gibt keinen Unterschied. Doch das Gesetz des
antiken Nahen Ostens unterschied sehr genau zwischen Dieben und
Räubern, besonders das Gesetz des alten Israel. Diebe wurden eher als
örtliche Erscheinung betrachtet. Sie stahlen von ihren Nachbarn; sie
waren häufig; sie waren eine Plage, doch keine wirkliche Bedrohung
der Gesellschaft. Wenn sie erwischt wurden, dann behandelte man die
Sache gerichtlich, zivilrechtlich, üblicherweise durch ihre Nachbarn,
die Mitbürger in der Stadt. Sie waren nichts besonderes.
Räuber waren dagegen ein großes Problem. Sie waren eine Bedrohung
der Gesellschaft. Man betrachtete sie als Außenseiter, als Banditen
und als Straßenräuber. Sie organisierten sich in Gruppen, sie
schworen geheime Eide und erpressten Lösegeld von den Leuten in ihrer
Umgebung. Wenn sie gefasst wurden, dann meistens vom Militär. Es war
eine militärische Angelegenheit, eine Art Krieg. Sie wurden nicht
zivilrechtlich, sondern militärisch verurteilt, und sie wurden
gemeinsam hingerichtet Sie waren also etwas ganz anderes als Diebe.
Es ist bemerkenswert, dass im Buch Mormon Diebe und Räuber niemals
miteinander verwechselt werden und Räuber, insbesondere die
Gadiantonräuber, wurden als militärisches Problem behandelt, ganz so
wie es unter dem Gesetz des alten Israel geschehen wäre, aber nicht
gerade auf eine solche Weise, wie wir das heute täten, die wir diese
klare Unterscheidung nicht treffen. Das Buch Mormon befindet sich
also genau im Einklang mit nahöstlichen und insbesondere
altisraelischen Vorstellungen und Gebräuchen.
Es gibt noch etwas, das ich mit ihnen besprechen möchte und das
ist die Benutzung von "Simile-Flüchen" oder symbolischen Handlungen
Und wieder beginnt man erst in diesem Jahrhundert diesen sehr, sehr
wichtigen Aspekt antiker Verhaltensweise zu begreifen. Ich möchte
ihnen eine Passage aus dem Buch Alma, Kapitel 46 im Buch Mormon
vorlesen, beginnend mit Vers 21 (sie erinnern sich noch an Hauptmann
Moroni mit seinem Freiheitsbanner, das an sich schon eine seht
interessante Sache ist):
Und es begab sich: Als Moroni diese Worte verkündigt hatte, siehe,
da lief das Volk zusammen, die Rüstung um die Lenden gegürtet, und
sie zerrissen ihre Kleider zum Zeichen oder zum Bund, dass sie den
Herrn, ihren Gott, nicht verlassen wollten; nämlich, mit anderen
Worten, wenn sie die Gebote Gottes überträten oder in Übertretung
verfielen und sich schämen würden, den Namen Christi auf sich zu
nehmen, dann solle der Herr sie zerreißen, wie sie ihre Kleider
zerrissen hatten.
Und dann weiter in Vers 22:
Dies aber war der Bund, den sie machten, und sie warfen ihre
Kleider Moroni vor die Füße und sprachen: Wir schließen mit unserem
Gott diesen Bund: Vernichtet sollen wir werden, ja, wie unsere Brüder
im Land nordwärts, wenn wir in Übertretung verfallen; ja, er möge uns
unseren Feinden vor die Füße werfen, wie wir unsere Kleider vor die
Füße geworfen haben, so dass wir zertreten werden, wenn wir in
Übertretung verfallen.
Worauf in diesem Zusammenhang über diese spezielle Schriftstelle
hingewiesen werden muss ist, dass in diesem Jahrhundert Gelehrte
begonnen haben zu erkennen, dass dieses Konzept der sogenannten "Simile-Eide"
oder "Simile-Bündnisse" unter den alten Hebräern und den alten
Hetitern sehr gebräuchlich war. Das heißt, einen wirklichen
Gegenstand zu benutzen, um damit zu zeigen, was mit einem passiert,
wenn man seinen Eid bricht. Ein Freund von mir, der auch ein
Spezialist auf dem Gebiet des antiken Nahen Ostens ist und dem Buch
Mormon in vieler Hinsicht kritisch gegenübersteht (er kennt es
vielleicht nicht sehr gut), hat diesen Abschnitt gelesen und war
davon sehr beeindruckt. Er gab mir gegenüber zu, dass er nicht recht
wüsste, was er damit machen solle, da das so typisch antiker Naher
Osten sei.
Ich unterrichte teilzeitig arabisch an der Brigham Young
Universität. Eine der linguistischen Formen in arabisch, welche auch
in anderen semitischen Sprachen verbreitet ist, ist der sogenannte
sinnverwandte Akkusativ - wo man ein Nomen (Hauptwort) verwendet, das
mit dem Verb (Tätigkeitswort) im gleichen Satz verwandt ist. Man sagt
zum Beispiel: "Ich habe ihn mit einem großen Schlag geschlagen" oder
"Ich habe einen Traum geträumt."
Das Beispiel, das ich oft benutze, um das zu illustrieren und das
sicher nicht dem englischen Sprachgebrauch entspricht, ist aus dem 1.
Nephi, wo Lehi seinen Söhnen berichtet: „Siehe, ich habe einen Traum
geträumt oder mit anderen Worten, ich habe eine Vision gesehen.“
Dieses "Ich habe einen Traum geträumt" ist ein exakter sinnverwandter
Akkusativ, und wenn die Studenten darüber hören - zumindest die, die
das Buch Mormon kennen - sagen sie: Ah ja, jetzt verstehen wir!“,
denn das ist ein authentisches Beispiel dieser arabischen oder
semitischen Konstruktion. Auch der zweite Teil des Satzes zeigt dies,
als Lehi sagt: „Siehe, ich habe einen Traum geträumt oder mit anderen
Worten, ich habe eine Vision gesehen.“ (1. Nephi 8:2), auch wenn wir
hier im Englischen etwas verlieren. Man muss daran denken, dass
englisch auf zwei unterschiedlichen Sprachen beruht. Englisch ist ein
Hybrid aus einer Art Latein oder Französisch mit einer germanischen
Sprache, natürlich durch die Angel-Sachsen und später die
normannische Eroberung. Deshalb gibt es zwei unterschiedliche Worte
für viele Dinge, also eine Art niederes Germanisch und höheres
Latein. Zum Beispiel das englische Wort handbook (Handbuch): es gibt
auch das lateinische Wort manual dafür; es stammt vom Wort manus, das
Hand bedeutet. Sie stehen beide für den gleichen Gegenstand. Genauso
ist es auch mit Lehis Worten "Ich habe eine Vision gesehen", Was er
wohl wirklich sagt ist: "Ich habe eine Sicht gesehen". Das lateinisch
abstammende Wort im englischen seeing wurde mit dem Wort Vision in
Verbindung gebracht, wozu es auch das germanische Wort sehen gibt, so
dass es dann zu "Vision gesehen" wird. Doch im Original klang es
wahrscheinlich wie folgt: "Ich habe einen Traum geträumt; oder mit
anderen Worten, ich habe eine Sicht gesehen". Daher benutze ich
dieses Beispiel in meinem arabischen Grammatikunterricht, um einen
Punkt zu untermauern, doch ich frage, woher ein Bauernjunge des
neunzehnten Jahrhunderts eine so perfekte Darstellung eines Punktes
der arabischen Grammatik kannte? Vielleicht hatte er an der
Universität von Palmyra darüber Nachforschungen angestellt - aber wir
wissen, dass es natürlich so eine Institution nicht gegeben hat. Und
es gab auch nicht so einen Joseph Smith. Dieses Wissen hatte er auf
andere Weise erhalten, nicht über den akademischen Weg.
Es gibt noch
etwas Linguistische zu sagen, etwas, womit ich mich viel befasse.
Eines meiner Fachgebiete ist die arabische Philosophie. Ein Text, den
wir dazu recht häufig lesen, ist ein Buch von einem sehr berühmten,
wenn nicht dem berühmtesten Rabbiner des Mittelalters, nämlich von
Moses Maimonides, dessen großes philosophisches Werk ein Text mit dem
Titel „Führer der Unschlüssigen“ ist. Dieser Führer wurde in
judeo-arabisch geschrieben, was bedeutet, dass es auf arabisch mit
hebräischen Buchstaben geschrieben wurde. Man könnte dies als
reformiertes Arabisch oder Hebräisch bezeichnen, was mich zu einem
wichtigen Gedanken bringt.
Einige Leute haben schon seit langem geglaubt, dass es Unsinn sei,
eine Sprache in der Schrift einer anderen zu schreiben. Doch das ist
genau das, was wir im Buch Mormon finden, nämlich ein hebräischer
Text, geschrieben in einer Art ägyptischer Schriftzeichen. Dies ist
aber überhaupt nicht unsinnig, sondern wird die ganze Zeit gemacht.
Es wurde in der Antike gemacht. Wir haben jetzt das Beispiel von
einem der Psalmen, der auf diese Weise geschrieben wurde, indem man
ägyptische Schriftzeichen benutzte. Maimonides hat es in seinem Buch
getan, indem er den arabischen Text in hebräischen Buchstaben
verfasste. Wir tun es sogar heute dauernd. In einem Chinesischkurs
beginnt man nicht damit, dass man chinesische Schriftzeichen liest,
sondern man beginnt damit in einer Transkription in lateinische
Schrift. Was ist das? Es ist reformiertes Chinesisch. Das ist
Chinesisch geschrieben in lateinischen Buchstaben, also hier nichts
ungewöhnliches. Doch Joseph Smith war sprachlich völlig ungebildet.
Er hatte schon mit geschriebenem Englisch so seine Schwierigkeiten.
Er konnte also so etwas nicht voraussehen oder davon wissen. Dies
ging schlichtweg über seine Fähigkeiten.
Ich bezeuge ihnen, dass es
darüber viel mehr zu sagen gibt, viel mehr gelehrte Beweise für das
Buch Mormon. Der wichtigste Beweis jedoch, der für das Buch Mormon
erhalten werden kann, ist das Zeugnis des Geistes. Ich gebe ihnen
mein Zeugnis, dass das Buch Mormon wirklich das ist, was es zu sein
behauptet. Es ist wahrhaftig ein antikes Werk, das durch einen
Propheten von einem Engel Gottes geoffenbart wurde, zu unserer
Führung in dieser letzten Zeit und als zweiter Zeuge für Jesus
Christus.
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